Forschung in Salzburg

Winzige Bläschen mit einer großen Zukunft

Salzburg
05.04.2026 12:00

Salzburg forscht im Spitzenfeld: Wissenschaftler setzen große Hoffnung in Vesikel, eine Art Zellstaub. Die Erkenntnisse sollen schnell den Weg in die Praxis finden und Patienten helfen. Vor allem am Innerohr und bei Sehnenverletzungen.

Wenn Eva Rohde zu Erklärungen ausholt, klingt das irgendwie geheimnisvoll: Die Transfusionsmedizinerin und ihr Team arbeiten im Labor daran, komplexe Vorgänge in unserem Körper weiter zu entschlüsseln. Ihr Forschungsfeld ist noch jung. Es geht um Bläschen, die in allen Körperflüssigkeiten vorkommen. Die Größe dieser Winzlinge liegt im Nanometerbereich, was einem Milliardstel (!) Meter entspricht. Vesikel sind damit zehn- bis tausendmal kleiner als die meisten Zellen selbst.

Dieser Zellstaub, der früher als Zell-Abfall abgetan wurde, könnte bei verschiedenen Therapien ganz neue Türen öffnen. „Wir wissen, dass Vesikel ein regeneratives Potenzial haben“, erklärt Rohde.

Keine Zellen-Müllabfuhr, sondern Transportsystem
Die verschwindend kleinen Absonderungen könnten beispielsweise als Transportsystem für Medikamente genutzt werden und Vernarbungen nach Operationen oder auch überschießende Entzündungsreaktionen bremsen.

Blick ins Mikroskop: Vesikel sind Absonderungen von Zellen, die für Therapien genutzt werden ...
Blick ins Mikroskop: Vesikel sind Absonderungen von Zellen, die für Therapien genutzt werden sollen.(Bild: Markus Tschepp)

Von Salzburg aus wurden bereits mehrere vielversprechende Heilversuche initiiert. Forschungen in Labor und Klinik sind gut verzahnt. „Erfolge sollen schnell bei Patienten ankommen“, betont Rohde. Erforscht wird, wie geschädigte Zellen repariert werden können. Auf der Uni Salzburg wurde ein Ludwig Boltzmann Institut zum Thema eingerichtet.

Bestes Beispiel: „Wenn es im Innenohr nach dem Einsetzen eines Cochlea Implantates zu einer Vernarbung kommt“, schildert Rohde und findet dabei anschauliche Vergleiche: „Die Vernarbung kann dann wie ein Isolierkabel wirken.“ Ein weiteres wichtiges Feld sind Sehnenverletzungen. Bei andauernden Schwellungen können operierte Sehnen leichter erneut einreißen, erklärt die Ärztin und Forscherin. Bisherige Möglichkeiten würden wie Versuche wirken, „die Sehne mit einem Kaugummi anzukleben“.

Schon seit 2017 gibt es dazu Forschungen in Salzburg. Die Medizin-Universität hält ein Europapatent, dass Vesikel in der Heilung unterstützen. Der Zellstaub könnte auch nicht nur Menschen helfen. Künftig will Salzburg unter dem Mikroskop auch Schmerzen von Rennpferden auf den Grund gehen. Rohde: „Man kann diese Daten auch für den Menschen übernehmen.“

Heilung entspringt aus der Nabelschnur
Hergestellt werden die Vesikel aus Stammzellen der Nabelschnur im Reinraum-Labor an der Medizin-Uni, das für die Stammzellenforschung errichtet wurde. Weltweit werden Forscherteams damit beliefert.

Wie viel Hoffnung geben Vesikel bereits? „Beim Innenohr haben wir etwa zehn Patienten behandelt. Es gibt eine gesicherte Therapie“, so Rohde. Ihr Team entschlüsselt laufend weitere Prozesse im Körper. Zukunftsvision: „Wir wollen unseren Vorsprung noch weiter ausbauen.“

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