Der russische Oligarch Oleg Deripaska gibt in ungewohnt offener Manier eine „tiefgreifende Krise“ in Russland zu. Dagegen helfen soll ein Arbeitsrhythmus von jeweils 72 Stunden pro Woche statt der landesüblichen 40. Gelten soll die neue Regelung für alle Bürger.
Der milliardenschwere Industrielle Deripaska zählt zum engeren Kreis rund um Kremlchef Wladimir Putin – ob er mit seinen Ausführungen zu weit gegangen ist, wird die Zeit zeigen. „Dieser Beitrag hätte jeden Oppositionellen ins Gefängnis gebracht“, bringt es jedenfalls einer der russischen Polit-Blogger klar auf den Punkt.
Mutig schrieb der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal auf Telegram: „Seit diesem Jahr hat sich die Welt verändert. Für alle, nicht nur für unser Land.“ Grund für die enorme Krise sei ein schwieriger Wandel: „Von den globalen Möglichkeiten, die wir früher hatten, hin zu regionalen, mit allerlei Einschränkungen“, führte Deripaska aus. Er warf Putins Sicherheitskräften die „Zerstörung der rechtsstaatlichen Institutionen“ vor. Eben aus diesem Grund werde nicht mehr in die russische Wirtschaft investiert.
Die Besonderheit der Russen
Ressourcen sieht der Oligarch jetzt nicht mehr so viele. „Um genauer zu sein, nur eine, und sie hängt mit unserer nationalen Besonderheit zusammen: In schweren Momenten können wir uns sammeln und mehr arbeiten“, erklärt er weiter. Daher sollten sich nun alle auf neue Arbeitszeiten einstellen, nämlich „von acht bis acht, einschließlich Samstag“.
Ein russischer Beobachter zeigte sich überzeugt: „Es ist möglich, dass die Regierung die Bevölkerung offen und systematisch auf das Szenario einer totalen Arbeitsmobilisierung vorbereitet.“
Wirtschaft leidet unter Sanktionen und Konflikten
Selbst die gestiegenen Energiepreise – die Ölpreise haben dieses Jahr um 70 Prozent zugelegt – können bei der aktuellen tristen Lage nicht mehr so viel ausrichten. Die Sanktionen belasten die Wirtschaft stark, das Wachstum geht deutlich zurück. Darüber hinaus setzen die geopolitischen Spannungen und die Blockade der Straße von Hormuz auch Russland zu.
Für Deripaska steht jedenfalls fest: Die Russen wurden in den letzten drei Jahren um das Doppelte ärmer gemacht. Tränen würde niemand vergießen, dafür hätten die geschäftigen Bürger auch gar keine Zeit mehr. „12/6 – unsere Wiedergeburt aus der Asche“, schreibt der Oligarch.
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