Hatte Schnauze voll

Kreml-Hetzer nach Putin-Kritik in Psychiatrie

Außenpolitik
19.03.2026 17:07

Der Kreml-Propagandist und Denunziant der russischen Opposition Ilja Remeslo hat mit einer ungewohnten politischen Kehrtwende für Aufsehen gesorgt: Plötzlich postete er scharfe Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Blogger wurde schließlich in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.

Einen ganzen Tag lang feuerte der 42-jährige Russe Postings ab, in denen er mit voller Härte gegen den Kreml schoss. Seine Abonnenten trauten ihren Augen nicht mehr, immerhin hatte er sich zuvor stets als Anhänger des russischen Regimes positioniert.

Am Abend des 17. März schrieb Remeslo etwa in seinem Telegram-Account einen langen Beitrag mit dem Titel „Fünf Gründe, warum ich aufgehört habe, Wladimir Putin zu unterstützen“. Putin sei als Präsident illegitim und gehöre vor ein Kriegsgericht. Der russische Machthaber habe das Land mit dem Ukraine-Krieg politisch und wirtschaftlich in die Sackgasse geführt, die Medienfreiheit erstickt und sei nun dabei, das Internet abzuschalten. Viel zu lange sei der Kremlchef schon am Ruder und habe keinen Respekt vor seinen Wählern, klagte der Blogger.

Account wurde nicht gehackt
Die Aussagen führten zu zahlreichen Spekulationen, war der Jurist in der Vergangenheit doch etwa als Zeuge der Anklage in den Prozessen gegen Kremlkritiker Alexej Nawalny aufgetreten und hatte die Annexion der Krim öffentlich bejubelt. Umso mehr lag die Vermutung nahe, dass der Account gehackt worden war – Remeslo bestätigte am Tag darauf jedoch, die Postings persönlich verfasst zu haben.

Die Einverleibung der Schwarzmeerhalbinsel habe er unterstützt, weil sie blutlos gewesen sei, erklärte er dann auf Telegram. Damals habe man geglaubt, dass Putin die Länder wieder friedlich zusammenführen werde. „Aber das ist daraus geworden: Fleischangriffe, Vertragssoldaten werden getäuscht … Der Krieg wird ausschließlich wegen der Komplexe Putins geführt, wir einfachen Bürger profitieren überhaupt nicht davon, sondern verlieren nur“, zeigte sich Remeslo aufgebracht.

Der Wille soll gebrochen werden
Daraufhin sei der Mann in St. Petersburg in die Psychiatrie Nummer 3 eingewiesen worden, berichtete etwa das russische Internetportal „Fontanka“. Die Reaktion der russischen Behörden auf den Sinneswandel Remeslos dürfte auch als Warnung verstanden werden. Schon zu Sowjetzeiten wurden Nervenheilanstalten als Instrument zur Unterdrückung Andersdenkender missbraucht. Die Zwangsunterbringung zahlreicher Dissidenten dort diente dazu, sie zu diskreditieren und ihren Willen zu brechen.

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