Der „Genderwahn“ – kaum ein politisches Thema wird so emotional diskutiert. Der Vorwurf: Linke Parteien würden sich ständig damit beschäftigen. Aber stimmt das auch? Eine neue Analyse ging dieser Annahme auf den Grund.
Wer sich durch parlamentarische Reden, Anträge und Presseaussendungen der vergangenen Jahre arbeitet, stößt immer wieder auf dieselben Schlagworte. Von „Genderwahn“ und „Wokeness“ ist gerne die Rede, progressiven Parteien wird oft vorgeworfen, sie würden eine „Gender“-Agenda verfolgen.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Denn ausgerechnet jene Partei, die besonders laut vor „Genderwahn“ und „Wokeness“ warnt, spricht selbst am häufigsten darüber. Das zeigt eine Analyse des Parlamentsdienstes, die vom SPÖ-Abgeordneten Mario Lindner in Auftrag gegeben wurde. Untersucht wurden parlamentarische Anträge, Anfragen, Reden sowie Presseaussendungen der Parlamentsparteien in den Jahren 2023 bis 2025.
Die SPÖ-Position ist klar: Leben und leben lassen. Friedliches Miteinander statt Hass und Hetze. Kuscheln statt Kickln.

Mario Lindner, SPÖ-Nationalratsabgeordneter
Bild: APA/GEORG HOCHMUTH
Laut Analyse ist die FPÖ mit großem Abstand die aktivste Partei, wenn es um diese sogenannten Kulturkampf-Themen geht. Insgesamt tauchen Begriffe wie „Gender“, „Trans“ oder „Woke“ 802-mal in FPÖ-Beiträgen auf – in nur drei Jahren. Zum Vergleich: Andere Parteien kommen bei Weitem nicht auf diese Frequenz. Die FPÖ redet demnach über das Thema etwa fünfmal öfter als die SPÖ, die Grünen thematisieren das noch deutlich weniger (siehe Grafik unten). „Die einzige Partei, die wirklich ständig vom Gendern, Trans- und Woke-sein spricht, ist die FPÖ selbst. Fünf- bis sechsmal pro Woche, fast doppelt so oft wie alle anderen Parteien zusammen. Das grenzt an Besessenheit“, kommentiert Mario Lindner das Ergebnis der Analyse. Die SPÖ-Position dazu sei einfach und klar: „Leben und leben lassen. Friedliches Miteinander statt Hass und Hetze. Kuscheln statt Kickln.“
FPÖ spricht öfter über das Gendern als alle anderen Parteien zusammen
Besonders deutlich wird das beim Thema Gendern. Insgesamt entfallen mehr als die Hälfte aller parlamentarischen Nennungen – konkret 54 Prozent – auf die FPÖ, während ihr Anteil bei Presseaussendungen sogar bei 61 Prozent liegt. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass die FPÖ alleine 427-mal über Gendern gesprochen hat.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Thema Transgender. Hier stammt ein überwältigender Großteil der parlamentarischen Wortmeldungen, Anträge und Co. – nämlich 85 Prozent – von der FPÖ, bei Presseaussendungen sind es immerhin 68 Prozent. Insgesamt wurde das Thema von der FPÖ 166-mal aufgegriffen. Am deutlichsten ist die Dominanz beim Begriff „Woke“ (Anmerkung der Redaktion: Dieser Begriff wird verwendet, um als übertrieben, moralisierend oder „zu politisch korrekt“ wahrgenommene Positionen zu kritisieren). In Presseaussendungen entfallen 95 Prozent aller Nennungen auf die FPÖ, im Parlament sind es 85 Prozent.
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