Die Bregenzer Festspiele bekommen die Subventionskürzungen mit voller Wucht zu spüren. Trotz „La traviata“-Ausverkaufs schreibt das Festival Verluste – es droht sogar eine Ausdünnung des Spielplans, die Zukunft des Schauspiels ist ungewiss.
Aller Voraussicht nach wird es zu Ostern keine Karten mehr für das Spiel auf dem See, die Oper „La traviata“, geben – noch nie war eine Seebühnenproduktion früher ausverkauft. Das macht den kaufmännischen Direktor Michael Diem zwar glücklich, Sorgen hat er aber dennoch: „Wir haben keine Absatzkrise, aber wir befinden uns in einer Kostenkrise – und die ist schwierig zu bewältigen.“
Binnen zehn Jahren seien allein durch Valorisierungen die Personalkosten um 36 Prozent gestiegen. Besonders zu schaffen machen dem Festival die Subventionskürzungen im vergangenen Jahr. Im Frühjahr 2025 hatten die Fördergeber Bund, Land und Stadt bekanntlich ihre bisherigen Beiträge von sieben Millionen Euro per anno für die Jahre 2025 und 2026 um 30 Prozent gekürzt.
Wir haben keine Absatzkrise, aber wir befinden uns in einer Kostenkrise – und die ist schwierig zu bewältigen.
Michael Diem
4,6 Millionen Euro fehlen im Budget
Da bereits zuvor seit 2016 die Subventionen nicht erhöht worden waren, fehlen mittlerweile jährlich 4,6 Millionen Euro im Budget. „Die Subventionskürzung hat uns am Spielbein erwischt und geschwächt. Gibt es keine Rückkehr zumindest auf das Förderniveau von 2016, gerät auch unser kaufmännisches Standbein ins Wanken“, betont Diem, der das Festival seit 2008 finanziell verantwortet. Dass die Kürzung der Mittel auf die beiden Jahre begrenzt bleibe, sei daher „essenziell für uns“. Die Bregenzer Festspiele hätten ihren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geleistet, nun gehe man davon aus, dass die Förderungen ab 2027 wieder auf sieben Millionen Euro steigen werden, so Diem.
„Nicht lange zu stemmen“
Bis dahin geht es an die Substanz, trotz des Abbaus von Rücklagen und eines für österreichische Verhältnisse fantastischen Eigendeckungsbetrags von zuletzt 82 Prozent ist der Betrieb derzeit defizitär: „Wir werden wie schon 2024 auch 2025 einen Verlust schreiben. Diese Entwicklung geht in eine Größenordnung, die nicht lange zu stemmen ist“, warnt Diem. Dazu kommt ein Luxusproblem der besonderen Art: Durch den Ausbau des Festspielhauses sind die Betriebskosten um 30 Prozent gestiegen, zudem ist auch der Bühnenbildbau teurer geworden.
Wird das Schauspiel komplett gestrichen?
Die finanziellen Engpässe werden wohl auch Auswirkungen auf den Spielplan haben: „Wir werden das Schauspiel überdenken“, sagt Diem. Für heuer gebe es noch eine Sonderfinanzierung in Höhe von 200.000 Euro für das Gastspiel des Burgtheaters, die für 2027 vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit werde aber auf 2028 verschoben. Damit wird es 2027 kein Schauspiel bei den Bregenzer Festspielen geben, zumal auch die Kooperation mit der Theaterallianz bzw. dem Bregenzer Theater Kosmos mit 2026 endet. „Danach werden wir schauen“, lässt Diem die Zukunft der Schauspielschiene offen.
Rigider Sparkurs auch beim Personal
Ebenfalls gespart wird beim Personal: Abgänge werden nicht nachbesetzt, zudem will man das Zusatzpersonal im Sommer so knapp wie möglich halten – Ziel ist eine Kostensenkung von zehn Prozent. Wichtig sei, so Diem, dass die Einsparungen nicht zulasten der Qualität gehen: „Lieber weniger, das dafür exzellent.“ Das Publikum soll jedenfalls möglichst wenig vom Spardruck mitbekommen. Das gilt auch für die Kartenpreise: Zwar werden die Ticketpreise ab 2027 moderat zwischen drei und fünf Prozent erhöht, man wolle aber „ein Festival für alle bleiben“. Ebenfalls eine Option sind zusätzliche Vorstellungen auf der Seebühne. Mehr als 28 „La traviata“-Aufführungen in der Saison anzubieten, sei aufgrund der knappen Zeitbudgets der Mitwirkenden zwar schwierig, „wir prüfen das aber“, heißt es dazu von Diem.
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