In seiner aktuellen Kolumne widmet sich Autor Robert Schneider einem Vorarlberger Urgestein: Walter Batruel. Der legendäre Blues-Musiker hat sich am Alten Rhein häuslich eingerichtet – das passt aber den Behörden nicht.
Die Geschichte um Walter Batruels kleines Robinson-Crusoe-Refugium in Hohenems am Alten Rhein ist ein Trauerspiel. Sie zeigt auf exemplarische Weise, wie mit Menschen in unserer Gesellschaft umgegangen wird, die einfach nicht normativ funktionieren.
Seit über vierzig Jahren lebt der Musiker („The Blues Machine“) an den Gestaden des Alten Rheins, hat mit viel Liebe ein kleines Zuhause unter Vorarlbergs Palmen gezimmert (wenn es auch nur Weiden und Buchen sind), lebt noch immer seinen Jungentraum, obwohl er 79 Jahre alt ist.
Die österreichischen wie schweizerischen Grenzbeamten machen ihm seit über vierzig Jahren das Leben schwer. Tausende Euro an Verwaltungsstrafen hat unser National treasure Batruel in diesen vierzig Jahren zahlen müssen, nur weil er ein Stück Freiheit verteidigt, das er akkurat sauber hält und auf seine Weise pflegt.
„Ja, wenn das jeder machen würde!“, lautet der behördliche Einwand. Niemand wird es je wieder so wie Batruel machen, ihr Paragrafenköpfe! Er ist einzigartig. Ein Stück Vorarlberger Geschichte.
Ich erinnere mich: Als meine drei Buben noch klein waren, besuchten wir die Perle Batruel in seiner Behausung. Er setzte seinen Dreispitz auf, ließ die Buben auf dem Floß Platz nehmen, das er, versteckt auf der österr. Seite an einem Weidenstamm festgebunden hatte, zog ein Leintuch hoch, welches als Segel diente, schipperte hinaus auf den offenen Alten Rhein.
Die Buben waren begeistert und verlebten einen herrlichen Nachmittag. Dann lud er uns zum „Seeräubermahl“, grillte Landjäger und Würstchen, nahm seine Gitarre und spielte Oldies.
Wie kann man nur auf die Idee verfallen, so einem sanften und liebenswürdigen Menschen dauernd an den Karren zu fahren? Wie kann man nur!
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