Manchen Leuten scheint nicht so wichtig zu sein, was sie in der Vergangenheit so von sich gegeben haben. Das hat „Krone“-Autor Harald Petermichl in seiner neuesten Kolumne im Fall von FIFA-Boss Gianni Infantino bemerkt. Der biegt nämlich seine eigenen Kriterien, wie es gerade beliebt.
Manche Falschinformationen halten sich hartnäckig im kollektiven Gedächtnis, auch wenn sie dadurch keinen Deut richtiger werden. Beispielsweise wird Konrad Adenauer häufig der Ausspruch „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ zugeschrieben, obwohl die Forschung längst nachgewiesen hat, dass der „Alte von Rhöndorf“ diesen Satz nie gesagt hat. Erinnert ein wenig an „Harry, hol schon mal den Wagen“, das hat Inspektor Derrick in den immerhin 281 Folgen nämlich ebensowenig zu seinem Assistenten Harry Klein gesagt. Auch Winston Churchill hat nie etwas von „No Sports“ gefaselt; das falsch zugeschriebene Zitat ist auf der Insel völlig unbekannt und findet sich auf keiner einzigen englischen Website.
Dennoch ist unbestritten, dass der Satz mit dem Geschwätz vom Vortag, der vermutlich von einem preußischen Staatsbeamten namens Friedrich Theodor Althoff stammt, immer irgendwie irgendwo passt. Selbstverständlich auch bei Gianni Infantino. Warum? Da müssen wir fast eine Dekade zurückgehen, in das Jahr 2017 und somit in die erste Amtszeit von Donald Trump. In Manama, der Hauptstadt des Königreichs Bahrain war grade FIFA-Kongress und man begann, sich mit der Vergabe der WM 2026 zu beschäftigen. Der Walliser, gerade mal ein gutes Jahr im Amt, richtete in seiner Rede allen potenziellen Bewerbern ein paar grundsätzliche Dinge aus. Unter anderem: „Es ist offensichtlich, dass alle Teams, Funktionäre und Fans Zugang zum Ausrichterland haben müssen. Sonst gibt es keine WM, das ist klar. Die Vorgaben werden klar sein. Und dann kann jedes Land entscheiden, ob es sich bewirbt.“
Das klingt aus heutiger Sicht wie blanker Hohn, nachdem das iranische Nationalteam sein geplantes Quartier in den USA nicht beziehen konnte, der von der FIFA nominierte somalische Schiedsrichter Omar Artan wegen angeblicher „Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen“ nicht einreisen durfte und etwa 500 Fans des Teams der Elfenbeinküste ihre Koffer wieder auspacken müssen, weil ihnen seitens der US-Regierung klargemacht wurde, dass man sie nicht auf amerikanischem Boden sehen möchte. Es werden mit Sicherheit nicht die letzten Skandale dieser Art gewesen sein, aber da kann Infantino, wie er in Mexiko jüngst klargestellt hat, nichts machen, denn „wir müssen respektieren, dass wir nicht die Könige der Welt sind, die über Regierungen und Polizei entscheiden“. Klar, schließlich kennt er den US-Präsidenten auch nur vom Hörensagen und überhaupt: Was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern?
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