Internationaler Wirbel

Israel führt Todesstrafe für Terroristen ein

Außenpolitik
30.03.2026 21:13
Porträt von krone.at
Von krone.at

Trotz der international mehrfach geäußerten Besorgnis hat das israelische Parlament am Montag einen Gesetzesentwurf zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen gebilligt. Kritiker sehen das Gesetz als rassistisch an, weil es de facto nur Palästinenser betrifft.

62 der 120 Abgeordneten der Knesset stimmten für den höchst umstrittenen Vorstoß der Partei Otzma Jehudit des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir. 48 Abgeordnete stimmten gegen das Gesetz, der Rest war abwesend oder enthielt sich. Auch der rechtskonservative Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gab seine Stimme für den Vorstoß ab. Palästinensern, die vor Militärgerichten in den besetzten Gebieten wegen eines terroristisch motivierten Mordes verurteilt werden, droht die Todesstrafe, die Richter in so einem Fall verhängen müssen. Das Urteil kann angefochten werden. Im Falle einer Verurteilung soll die Todesstrafe binnen 90 Tagen durch Erhängen von einem Gefängniswärter vollstreckt werden.

Keine Anwendung für Beteiligte an Massaker
Vor zivilen Gerichten in Israel kann nach dem Gesetzesentwurf eine Person, die wegen eines terroristisch motivierten Mordes mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel verurteilt wird, entweder mit der Todesstrafe oder mit lebenslanger Haft bestraft werden. Aufgrund des Rückwirkungsverbots kann das neue Gesetz aber etwa nicht auf Hamas-Terroristen angewendet werden, die am Massaker am 7. Oktober 2023 im israelischen Grenzgebiet beteiligt waren.

Außenminister appellierten vergeblich an Israel
Ben-Gvir sprach zum Abschluss einer stundenlangen Debatte von einem historischen Moment der Gerechtigkeit. Jeder Terrorist müsse wissen, dass er Mord mit seinem Leben bezahlen werde. Das Gesetz werde dem israelischen Volk „den Stolz zurückbringen“. Er warf der Europäischen Union vor, sie sehe es nicht gerne, dass Israel sich gegen Terrorismus verteidige.

Polizeiminister Itamar Ben-Gvir wirft der EU vor, dass sie es nicht gerne sähe, wenn sich Israel ...
Polizeiminister Itamar Ben-Gvir wirft der EU vor, dass sie es nicht gerne sähe, wenn sich Israel „gegen Terrorismus verteidigt“.(Bild: EPA/ATEF SAFADI)

Die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Italien und des Vereinigten Königreichs hatten am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung ihre „tiefe Besorgnis“ über den Gesetzentwurf geäußert. „Die Todesstrafe ist eine unmenschliche und erniedrigende Form der Bestrafung ohne jegliche abschreckende Wirkung“, teilten die Minister mit. „Deshalb lehnen wir die Todesstrafe weltweit unter allen Umständen ab.“ Berlin, Paris, Rom und London forderten die Verantwortlichen nachdrücklich auf, die Pläne aufzugeben.

Massive Kritik auch in Israel
Auch in Israel gab es Kritik an dem Gesetz. „Israel befindet sich mitten in einem Krieg, in dem es beansprucht, die demokratische und liberale Welt gegenüber den Kräften des Bösen im Iran und darüber hinaus zu vertreten“, schrieb ein Kommentator der „Times of Israel“. „Die Verabschiedung des Gesetzes gerade jetzt könnte Israel international erheblichen Schaden zufügen und seinem ohnehin zunehmend angeschlagenen Image schaden.“

Das israelische Demokratie-Institut kritisierte in einem Gutachten zu dem Gesetz, dass es die Richter im Militärgericht dazu zwinge, die Todesstrafe zu verhängen, und dass es ihnen die notwendige Einzelfallprüfung nehme. Es widerspreche den demokratischen und rechtsstaatlichen Werten Israels, weil es nur gegen Palästinenser gerichtet sei. Das Gesetz könne auch zu irreversiblen Justizfehlern führen und Israel international politisch schaden. Außerdem helfe es nach Ansicht von Experten nicht effektiv im Kampf gegen Terror.

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