Teil der Reform

Fachärzte fürchten Rückkehr der Zwangszuweisung

Innenpolitik
18.05.2026 22:09

Die kommende Gesundheitsreform sorgt bereits für Zündstoff, da stehen noch nicht einmal ihre Grundzüge. Ein durchgesickertes Detail der Reformpläne von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung hat bereits Proteste unter Fachärzten ausgelöst. Warum das Thema die Wogen hochgehen lässt ...

Knappe Kassen, deutliche Lücken in der Versorgung. Für das angeschlagene österreichische Gesundheitssystem sollen bis zum Sommer Reformpläne stehen und sorgen bereits jetzt für heftigen Wirbel. Denn ein durchgesickertes Detail der Pläne von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung lässt aufhorchen: Offenbar könnte die umstrittene Zwangszuweisung – also die Überweisung – durch Hausärzte zurückkehren. Für den neu gegründeten Berufsverband Fachärzt:innen Österreich wäre das ein Rückschritt – und genau das wollen die Mediziner mit aller Kraft verhindern, unter anderem durch eine eigene Petition.

Seit der Einführung der E-Card können Krankenkassenpatienten großteils ohne Überweisung des eigenen Hausarztes einen Facharzt (wie beispielsweise Hautarzt, Augenarzt etc.) aufsuchen. Im Rahmen der geplanten Gesundheitsreform, deren Grundzüge laut dem Bund bis Juni feststehen sollen, könnte diese Freiheit nun wieder eingeschränkt werden. Noch ist jedoch unklar, ob dabei auf freiwillige Anreize oder auf mögliche Konsequenzen gesetzt wird. Die Fachärzte sehen darin jedenfalls eine Trendumkehr in die falsche Richtung.

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Auf Qualitätssicherung mit medizinischer Expertise wird bei der Debatte um Zuweisungszwang und hausarztzentrierter Versorgung nicht primär Rücksicht genommen.

Florian Mittermayer, Präsident des Berufsverbands Fachärzt:innen Österreich

Verbandspräsident Florian Mittermayer warnt: „Man sagt: Steuerung und Patientenlenkung. Man meint: weniger Kosten und Rationierung. Auf Qualitätssicherung mit medizinischer Expertise wird bei der Debatte um Zuweisungszwang und hausarztzentrierte Versorgung nicht vorrangig Rücksicht genommen.“

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In Skandinavien gibt es auch Diskussionen über lange Wartezeiten, Zugänglichkeit und schwindendes Vertrauen ins Gesundheitswesen.

Statement der Fachärzte

Debatte gehe in falsche Richtung
Auch andere Fachärzte, wie die Lungenfachärztin Irene Sperk, Internistin Bonni Syeda, Urologe Mehmet Özsoy, HNO-Ärztin Verena Niederberger-Leppin und Dermatologin Elisabeth Heere-Ress kritisierten, dass die aktuelle Gesundheitsreformdebatte in die falsche Richtung gehe. Wartezeiten auf eine gute Behandlung durch Experten könnten sich so verlängern und Kosten steigen. „Skandinavische und nordische Gesundheitssysteme werden gerne als Positivbeispiele ins Treffen geführt. Dabei gibt es auch dort Diskussionen über lange Wartezeiten, Zugänglichkeit und schwindendes Vertrauen ins Gesundheitswesen“, erklärten die Ärzte in einem Statement.

Doppelt gemoppelt 
Kritisch sehen die Fachärzte konkret, dass Patienten künftig möglicherweise zuerst eine Primärversorgungseinheit oder einen Hausarzt aufsuchen müssen, bevor sie zum Facharzt kommen. Diese doppelte Inanspruchnahme von Ärzten verursache zusätzliche Kosten statt Einsparungen. Zudem rechnet der Berufsverband damit, dass mehr Menschen auf teurere Wahlärzte ausweichen könnten, wenn der Zugang zu Kassen-Fachärzten schwieriger wird.

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