NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn hat seine Aussage, sich in Zukunft drei statt neun Bundesländer in Österreich vorstellen zu können, verteidigt. „Das sind keine Provokationen“, und es dürfe keine Denkverbote geben, so der pinke Politiker.
Die NEOS sprechen sich bekanntlich für eine Reform des österreichischen Föderalismus aus. Ziel ist eine klarere Verteilung von Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Dazu gehört auch der Vorschlag, den Bundesrat abzuschaffen. Auch auf diesen Vorschlag nahm Schellhorn am Sonntag in der ORF-„Pressstunde“ (die Fragen stellten „Krone“-Innenpolitikredakteurin Petja Mladenova und ORF-Moderator Klaus Webhofer) Bezug.
„... dann braucht man Landeshauptleute-Konferenz nicht mehr ...“
Der Bundesrat sei nach den Worten des pinken Staatssekretärs so konzipiert, dass dort die Landeshauptleute sitzen sollten. Wenn es diesen nicht zumutbar sei, sich damit zu beschäftigen, dann brauche man die Landeshauptleute-Konferenz nicht mehr, so Schellhorn.
Schellhorn erntete für seinen Vorschlag, die Bundesländer reduzieren zu wollen, scharfe Kritik. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle etwa sprach von einer „Provokation“, auch in Niederösterreich erteilte man den Deregulierungs-Debatten eine klare Absage. Selbst innerhalb der NEOS scheint dieser Vorschlag umstritten zu sein. Viele Pinke wiesen darauf hin, dass es sich um eine „Privatmeinung“ Schellhorns handle. Dass es bei den NEOS auch andere Meinungen gebe, stehe einer liberalen Partei zu, betonte Schellhorn am Sonntag.
Zweites Entbürokratisierungspaket: Föderale Ebene im Fokus
Nachdem man sich in dem im Vorjahr präsentierten ersten Entbürokratisierungspaket auf Bundesthemen konzentriert habe, soll der Fokus bei dem für Juni geplanten zweiten Paket auf Themen der föderalen Gesetzgebung liegen, kündigte der für Entbürokratisierung zuständige Staatssekretär zudem an. Teil des Pakets seien etwa Maßnahmen beim Jugendschutz, im Baurecht und bei der Bauordnung. Grundlage dafür seien Einmeldungen von Bürgern über die Stelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen (SEDA) im Außenministerium.
„Über Aussetzung der Gebühren nachdenken“
In Bezug auf mögliche Einsparungen beim Doppelbudget wollte sich Schellhorn nicht festlegen, die Konsolidierung dürfe aber nicht über erhöhte Einnahmen passieren. Im Gegenteil sprach er sich für eine Aussetzung der Gebührenerhöhung aus. Eine Lohnnebenkostensenkung für 2027 sieht er als wenig wahrscheinlich an, sie müsse aber am Ende der Legislaturperiode kommen. Einsparen will Schellhorn etwa im Pensionsbereich, hier müsse man den Mut haben, über eine erneute Pensionsreform zu sprechen. Bei der Gesundheit sieht er Einsparungsbedarf in der Verwaltung und bei den Krankenhäusern.
Bei den Verhandlungen zur Reformpartnerschaft zeigte sich der Staatssekretär optimistisch. „Vom Westen her kommt hier ein großer Reformwille“, so Schellhorn mit Blick auf den derzeitigen Tiroler Vorsitz und den darauffolgenden Vorarlberger.
Wehrpflicht: Schellhorn für Verlängerung nach „8+2-Modell“
In Sachen Wehrpflicht sprach sich Schellhorn für das Modell „Österreich plus“ – acht Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate verpflichtende Milizübungen – aus. Er sei Anhänger davon, dass man sich an eine klare Empfehlung einer Kommission halten solle, so der .
„Eingriffe immer schlechter“
Der NEOS-Politiker verteidigte die vergangene Woche beschlossenen Eingriffe in die Preise beim Sprit. „Eingriffe in den Markt sind immer schlecht, aber keine Eingriffe sind auch keine Alternative“, sagte Schellhorn. Beim Gesetz zum beschleunigten Erneuerbaren-Ausbau (EABG) zeigte sich Schellhorn zuversichtlich, dass man eine Zustimmung der Grünen erreichen könne. Der Gesetzesentwurf sei Verhandlungsbasis, in die man noch „hineinarbeiten“ müsse.
Beim ORF sprach sich Schellhorn für eine Reform des Stiftungsrats aus. Warum seine Partei die Reform des Stiftungsrat im vergangenen Jahr mitgetragen habe, könne er nicht sagen. Seine Partei werde sich aber für eine neuerliche Reform einsetzen, so der NEOS-Politiker.
Das sagt Schellhorn zum Wöginger-Prozess
Im Falle einer Verurteilung des ÖVP-Klubobmanns August Wöginger im Postenschacher-Prozess sieht Schellhorn den Koalitionspartner am Zug über einen möglichen Rücktritt ihres Klubobmanns zu entscheiden. Es sei dann Sache der ÖVP, „sich Gedanken zu machen, wie ernst und sauber sie sich selber nehmen“. Er selbst lege niemandem den Rücktritt nahe, er habe sich auch gewehrt als man ihm den Rücktritt nahegelegt habe.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.