Wirtschaft unter Druck

Bürokratie kostet Ländle-Firmen 950 Millionen Euro

Vorarlberg
27.03.2026 10:55

Bürokratie verursacht in Vorarlbergs Betrieben jährlich Kosten von 950 Millionen Euro und bindet rund 8600 Vollzeitkräfte. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz schlug bei ihrem Besuch im Ländle Alarm und forderte rasche Entlastungen.

Die Belastung durch Bürokratie hat in Österreich enorme Dimensionen erreicht. Landesweit verursachen administrative Aufgaben jährliche Kosten von 21,1 Milliarden Euro, was 195.000 Vollzeitstellen entspricht. Oder wie es WKÖ-Präsidentin Martha Schultz bei ihrem Besuch in Vorarlberg am Mittwoch formulierte: „Pro Sekunde entstehen Kosten von 669 Euro.“ Auch in Vorarlberg ist die Lage ernst. Hier belaufen sich die Kosten auf 950 Millionen Euro pro Jahr, was der Arbeit von 8600 Vollzeitkräften entspricht. Mit 2,7 Prozent des Umsatzes liegt die Belastung im Ländle zudem deutlich über dem Österreichschnitt (2,4 Prozent).

Ruf nach Entlastung wird immer lauter
Der Abbau von Bürokratie ist für die Wirtschaft daher ein zentrales Anliegen. Laut WKÖ sehen 80 Prozent der Vorarlberger Unternehmen im Bürokratiedschungel die größte Herausforderung – österreichweit sind es 58 Prozent. „Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist dabei nicht eine einzelne Vorschrift das Problem, sondern die Summe der Verpflichtungen. Seitenlange Nachweispflichten im Arbeitsrecht, komplexe Genehmigungsverfahren, mehrfach zu meldende Daten oder sogenannte ,Gold Plating‘-Effekte führen dazu, dass wertvolle Ressourcen gebunden werden“, betont WKV-Präsident Karlheinz Kopf. Die Wirtschaftskammer fordert deshalb schnelle Entlastungen. Immerhin: Ein erstes Maßnahmenpaket der Bundesregierung wurde bereits im Dezember beschlossen, geht's nach der Wirtschaftskammer, soll noch im Sommer ein zweites folgen.

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Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist dabei nicht eine einzelne Vorschrift das Problem, sondern die Summe der Verpflichtungen.

Karlheinz Kopf, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg

Was jetzt getan werden soll
Konkrete Vorschläge liegen auf dem Tisch. So sollen künftig Prozesse digitalisiert werden, damit Daten nach dem „Once-Only-Prinzip“ nur noch einmal gemeldet werden müssen. Gefordert werden auch schnellere Genehmigungsverfahren, etwa durch spezialisierte Sachverständigen-Teams bei den Bezirkshauptmannschaften. Auch die Wirtschaftskammer selbst ist aktiv: So hat die WK Vorarlberg eine neue Ombudsstelle „Bürokratieabbau“ eingerichtet. Sie dient als Anlaufstelle für Firmen bei Problemen mit Behörden und soll langfristig zu einfacheren Abläufen beitragen.

Warnung vor neuen EU-Regeln
Gleichzeitig warnt die Interessenvertretung vor neuen Belastungen, etwa durch die geplante EU-Entgelttransparenz-Richtlinie. Diese könnte zusätzliche Bürokratie schaffen. Laut Kopf verfügt Österreich mit seinen Kollektivverträgen, die 98 Prozent der Beschäftigten umfassen, bereits über ein funktionierendes, transparentes System. Das Ziel fairer Einkommen werde unterstützt – aber nur durch wirksame Maßnahmen wie den Ausbau der Kinderbetreuung, nicht durch neue Vorschriften.

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