Die Not nimmt zu

Armut im Ländle: „Gibt wenig Anlass zu Optimismus“

Vorarlberg
26.03.2026 06:45
Porträt von Harald Küng
Von Harald Küng

Die Armut im eigentlich wohlhabenden Ländle nimmt zu: Die Caritas Vorarlberg zieht in ihrem Wirkungsbericht ein ernüchterndes Fazit und will einen Bürgerrat initiieren, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Die Caritas Vorarlberg schlägt Alarm: Die Zahl der Menschen, die in manifester Armut leben, hat sich in Österreich seit dem Jahr 2021 verdoppelt – mittlerweile müssen 3,7 Prozent der Gesamtbevölkerung in ihrem Alltag massive Entbehrungen in Kauf nehmen. In Vorarlberg sind mindestens 14.000 Menschen betroffen. Laut Statistik Austria kamen Ende 2023 zudem elf Prozent der Bevölkerung mit ihrem Einkommen nicht mehr aus. „Es gibt leider wenig Anlass für Optimismus, dass diese Situation sich in den nächsten Jahren entspannen könnte. Im Gegenteil – es ist zu befürchten, dass die Armut sich weiter verschärfen wird, wenn wir nicht entschieden gegensteuern“, zeigt sich Vorarlbergs Caritasdirektor Walter Schmolly angesichts der multiplen Krisenlage wenig hoffnungsfroh.

Caritasdirektor Walter Schmolly
Caritasdirektor Walter Schmolly(Bild: Mathis Fotografie)

Kinder besonders stark betroffen
Tragisch: Kinder und Jugendliche trifft es besonders hart. Fünf Prozent von ihnen leben in Haushalten mit manifester Armut. Bei der Caritas-Beratung „Existenz & Wohnen“ stieg die Zahl der betreuten Kinder in drei Jahren um 23 Prozent auf über 2300. Ein großes Problem im Ländle sind die Wohnkosten: Jeder zehnte Haushalt in Vorarlberg muss über 40 Prozent des Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Erschwerend kommt hinzu, dass in den vergangenen Jahren wichtige Sozialleistungen nicht an die Inflation angepasst worden sind, was die Not nur vergrößert.

Bürgerrat soll neue Wege aufzeigen
Als Reaktion auf diese Entwicklung will die Caritas nun einen Bürgerrat ins Leben rufen. Dieser soll im gemeinsamen Dialog konkrete Vorschläge erarbeiten, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und das soziale Netz wieder engmaschiger zu gestalten. Armut sei schließlich kein Schicksal, man könne etwas dagegen tun, so die Organisation. Damit der Bürgerrat stattfinden kann, sind 1000 Unterstützungserklärungen notwendig. Die Sammlung startet im Mai, sowohl online als auch auf physischen Listen. Im Sommer ist die Übergabe der Unterschriften an das Land Vorarlberg geplant. Interessierte können sich bereits jetzt per E-Mail (konktakt@caritas.at) an die Caritas wenden, sie bekommen dann alle Unterlagen ausgehändigt.

Was es mit dem Bürgerrat auf sich hat 
Der seit 2013 in der Vorarlberger Verfassung verankerte Bürgerrat ist ein mehrstufiges Beteiligungsformat. Er kann von Politik oder Einzelpersonen initiiert werden. Nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürger beraten dann, unterstützt von Experten, eineinhalb Tage lang über alltagsrelevante Themen. Die erarbeiteten Lösungen werden öffentlich in einem „Bürgercafé“ präsentiert, abschließend prüft die Politik die Vorschläge – und im besten Fall werden diese auch umgesetzt.

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