Geeint und emotional wie selten zeigte sich Wiens Politik über alle Parteigrenzen hinweg bei der Verabschiedung von Kathrin Gaál als Vizebürgermeisterin und Stadträtin. Sie dankte es in einer Rede, in der sich Schmäh und Rührung die Waage hielten.
Nun sei es „Zeit für Taschentücher“, kündigte Vorsitzender Christian Meidlinger (SPÖ) am Dienstag im Wiener Landtag die Verabschiedung von Kathrin Gaál nach – wie er ausgerechnet hatte – exakt 7433 Tagen, also 20 Jahren, in der Wiener Politik an, davon acht als Frauen- und Wohnbaustadträtin und sechs als Vizebürgermeisterin. Er übertrieb nicht.
Rührung rief Ludwig und Czernohorszky auf den Plan
Gleich nach dem Beginn von Gaáls – mit einem großen Seufzer und dem Geständnis, sie sei noch nie bei einer Rede so nervös gewesen, begonnener – Abschiedsrede musste Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ihr mit Taschentuch und Stadtratskollege Jürgen Czernohorszky mit einem Extra-Glas Wasser aushelfen. Ihre eigene Regierungsbilanz hatte sie da schon lediglich in ein paar Stichworten gestreift und damit den Schmäh zu Beginn – „Ich hab’ auch eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet“ – Lügen gestraft.
Das einzige dafür umso flammendere politische Statement gehörte den Frauen: „Es reicht. Es reicht mit der Normalisierung und der Relativierung der Gewalt an Frauen, mit ,Ich hab’ Dämonen‘ oder was auch immer. Es braucht uns alle, damit das aufhört.“ Der Rest der Rede gehörte privaten Emotionen. An einigen Stellen kämpfte Gaál mit den Tränen, beginnend – „geht scho’ los“ – mit dem Dank an ihr eigenes Team.
Mahnung zu „Wertschätzung und Respekt“
Auch Regierungskollegen, ihre heimatliche SPÖ Favoriten, ihr Vater – der Wiener Gemeindepolitiker Anton Gaál – als politisches Vorbild, ebenso aber Abgeordnete anderer Parteien wurden mit Dank bedacht: „Es ist einzigartig, wenn man in seinem Job Freunde findet.“ Mit auf den Weg gab sie ihnen allen, dass sie „Wertschätzung und Respekt, auch wenn‘s politische Differenzen gibt“, hochhalten sollten.
Es war mir eine große Ehre und Freude, mit den Wienerinnen und Wienern und für die Wienerinnen und Wiener arbeiten zu dürfen. Vielen vielen Dank!

Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál (SPÖ) am Ende ihrer Rede
Bild: SPÖ Rathausklub / Benedikt Gurtner
Den Abschluss bildete Dank an die Wiener Bevölkerung, davor aber noch an die Familie: „Ohne eure Liebe, euer Verständnis wäre das so nicht gegangen.“ Die wiederum aufkommenden Tränen wurden mit dem Witz kompensiert, dass ihre Tochter an ihrem ersten Tag im Gemeinderat noch ein Baby gewesen und heute eine junge Frau sei, während „ich mich zum Glück in den 20 Jahren kaum verändert habe.“
Neben stehenden Ovationen dankten auch alle politischen Mitbewerber in Wortbeiträgen: Die Neos priesen, dass auf Gaáls Wort „immer Verlass“ gewesen sei, die ÖVP ihre Gesprächsbereitschaft mit der Opposition (und zum Unterschied von den Blumensträußen aller anderen Fraktionen mit einem stattlichen Apfelbaum ihrer Lieblingssorte – Boskop – als Abschiedsgeschenk), die Grünen ihre Vorbildwirkung und sogar FPÖ-Bautensprecher Michael Niegl räumte ein, es gebe in dieser Rede „keinen Anlass, dass ich ein biss’l reinfahr. Bleib, wie Du bist, und Danke.“
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