Im Krieg mit dem Iran schlägt US-Präsident wieder neue Töne an: Zuerst kam die Drohung, Kraftwerke zu bombardieren, sollte er die Straße von Hormuz nicht öffnen. Dann der Rückzieher mit Hinweis auf Verhandlungen. Jetzt bringt Trump sogar eine geteilte Kontrolle der Meerenge ins Spiel.
Sobald die Straße von Hormuz geöffnet sei, werde sie „gemeinsam kontrolliert“ werden, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag vor Reportern. Auf die Frage, wer denn die Kontrolle innehaben solle, antwortete Trump: „Vielleicht Ich. Ich und der Ayatollah, wer immer der nächste Ayatollah ist.“
Wie genau eine gemeinsame Kontrolle aussehen könnte, führte der US-Präsident nicht aus. Es wäre aber ein enormes Zugeständnis an den Iran, den Trump noch vor kurzem als „vollständig besiegt“ bezeichnet hatte.
Mit dem Verweis auf den „nächsten Ayatollah“ meinte Trump offenbar, dass er einen anderen Obersten Führer des Iran durchsetzen will. Das aktuelle Staatsoberhaupt, Mojtaba Khamenei, hatte er als „inakzeptabel“ bezeichnet. Trump kündigte einen „drastischen Regimewechsel“ an und verwies auf laufende Verhandlungen.
Schauen Sie sich Venezuela an, wie gut das ausgegangen ist.
US-Präsident Donald Trump schwebt im Iran ein Szenario wie in Venezuela vor.
Verhandlungen mit „vernünftigen Leuten“
„Jetzt verhandle man mit vernünftigen Leuten, die sehr respektiert würden. Vielleicht ist einer von ihnen genau das, wonach wir suchen“, erklärte er. „Axios“ berichtete unter Berufung auf Informationen aus Israel, dass die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner mit Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sprechen.
Die Attacken auf Kraftwerke und Energieinfrastruktur seien nur so lange ausgesetzt, wie es weitere konstruktive Treffen gebe. Nach Trumps Darstellung sei man sich bei 15 Punkten einer möglichen Vereinbarung schon einig geworden. Es gebe die reale Möglichkeit, einen Deal zu machen, und der Iran wolle „sehr dringend“ einen Deal.
Teheran dementiert Gespräche
Aus Teheran kommen ganz andere Töne. Parlamentspräsident Ghalibaf dementierte: Es habe keine Verhandlungen mit den USA gegeben. „Fake News“ würden genutzt, um die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und dem „Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel feststecken“.
Auch vom Außenministerium in Teheran hieß es, dass es keine Verhandlungen oder Gespräche mit den USA in den letzten 24 Tagen gegeben habe. Die Straße von Hormuz werde man erst dann wieder öffnen, wenn die bereits zerstörten Kraftwerke wieder aufgebaut seien.
Seinen Schwenk weg von der Kriegsrhetorik hin zu Deeskalation und „Deals“ wollte Trump mit einem Verweis auf den US-Militärschlag in Venezuela Anfang des Jahres schmackhaft machen. „Schauen Sie sich an, wie gut das ausgegangen ist“, meinte er. Diktator Nicolás Maduro wurde entführt, das übrige Regime ist aber weiter an der Macht und arrangiert sich mit den USA. Und US-Konzerne fördern dort jetzt wieder Öl.
US-General übt Kritik
Fraglich, wie ein ähnliches Szenario nach mehr als drei Wochen Krieg im Iran entstehen soll. Gegenüber der „New York Times“ äußerte auch der langgediente US-General Stanley McChrystal starke Zweifel an Trumps Strategie: „Wir haben diesen aktuellen Machthaber, dessen Vater und dessen Frau wir getötet haben; wir haben ihm offenbar ziemlich zugesetzt. Und dann sagen wir: ,Na ja, das wird ihn verhandlungsbereiter machen.‘ Auf mich hätte das jedenfalls keine solche Wirkung.“
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