Donald Trump hat Ernst gemacht: Der US-Präsident schickte sein Militär nach Caracas, stürzte Präsident Nicolás Maduro und will Venezuela vorerst kontrollieren. Während Trump Drogenbekämpfung als Grund für die Aktion vorschiebt, geht es dabei auch um den Zugriff auf die größten Ölreserven der Welt. Doch Interimspräsidentin Delcy Rodríguez bietet ihm die Stirn.
Nach der gewaltsamen Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro übernimmt Rodríguez geschäftsführend die Führung des Landes. Venezuelas Verfassung sieht vor, dass sie bei einem Ausfall des Staatschefs bis zu Neuwahlen die Regierungsgeschäfte übernimmt.
„Verschwörung zum Drogenterrorismus“
Maduro und seine Frau Cilia Flores waren am Samstag bei einem US-Militäreinsatz von Spezialeinheiten festgenommen und in die USA gebracht worden. Beide sitzen in einem Gefängnis in New York, wo sie sich vor Gericht wegen „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ sowie zum Kokainimport verantworten müssen.
Hier wird Maduro in Handschellen abgeführt:
Trump streckt Rodríguez die Hand aus
US-Präsident Donald Trump hatte mitgeteilt, dass die USA vorübergehend die Macht in dem südamerikanischen Land übernehmen wollen. Vizepräsidentin Rodríguez sei zu einer Zusammenarbeit bereit. „Wir haben gerade ein Gespräch mit ihr geführt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach“, sagte er bei einer Pressekonferenz in seiner Residenz Mar-a-Lago.
Ich finde, sie war sehr zuvorkommend, aber sie hat wirklich keine andere Wahl.
Donald Trump über Delcy Rodríguez
Rodríguez gab sich nach Trumps Äußerungen jedoch unbeugsam. „Es gibt nur einen Präsidenten in diesem Land und er heißt Nicolás Maduro Moros“, sagte sie umgeben von Ministern und Militärs bei einer Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates.
„Wir werden nie wieder Sklaven sein“
Rodríguez kündigte entschlossenen Widerstand gegen den US-Angriff an. „Wir werden nie wieder Sklaven sein.“ Sie gilt als eine der loyalsten Figuren in Maduros Machtzentrum. Die 56-jährige Juristin hatte als Außenministerin (2014 – 2017) den konfrontativen Kurs gegen die USA geprägt, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte. Schon ihr Vater war ein linker Parteifunktionär, auch ihr Bruder Jorge Rodríguez bekleidete eine Reihe wichtiger Ämter in Maduros Regierung. Sie forderte nach dem US-Militäreinsatz die sofortige Freilassung von Maduro und seiner Ehefrau.
Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López kündigte nach dem US-Angriff einen „massiven“ Einsatz aller militärischen Mittel an:
Trump: Absage an Friedensnobelpreisträgerin
Zugleich sorgte Trump für eine politische Überraschung, indem er eine Zusammenarbeit mit der führenden Oppositionsführerin Maria Corina Machado ausschloss. Sie habe laut Trump nicht den nötigen Rückhalt, um Venezuela zu führen. „Ich denke, es wäre sehr schwierig für sie, die Führungsposition zu übernehmen, da sie weder die nötige Unterstützung noch den nötigen Respekt im Land genießt“, sagte Trump: „Sie ist eine sehr nette Frau, aber ihr fehlt der Respekt der Bevölkerung.“
Machado forderte unterdessen nach der Festnahme Maduros die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, hieß es in einer auf X veröffentlichten Mitteilung Machados.
Trumps unberechenbare Strategie: Das will er in Venezuela wirklich
Offiziell begründet Trump die US-Militäroperation mit Drogenbekämpfung. Doch hinter der offiziellen Rhetorik steckt ein weitaus komplexeres Kalkül. Donald Trump verfolgt geschäftliche Interessen, wie der Lateinamerika-Experte am Deutschen Institut für Globale und Regionale Studien, Jesus Renzullo, gegenüber dem „Focus“ erklärte: Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann.
Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund einer Million Barrel pro Tag derzeit recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Verantwortlich dafür sind Sanktionen, Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA und Korruption. Seit diesem Jahr fördert auch der US-Ölriese Chevron wieder in Venezuela.

Trump will auch Kuba schwächen
Renzullo sieht noch ein weiteres Motiv hinter dem Handeln der US-Regierung. Ihm zufolge könnte Trumps Außenminister Marco Rubio – ein erklärter Gegner des Maduro-Regimes – die Gelegenheit nutzen, auch den Druck auf Kuba auszuweiten. Der sozialistische Inselstaat in der Karibik befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, seine Energieversorgung hängt stark von Öllieferungen aus Venezuela ab.
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