Neuer Führer im Iran

Mojtaba Khamenei: „Die Macht hinter den Roben“

Außenpolitik
09.03.2026 09:10

Acht Tage nach der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei ist dessen Sohn Mojtaba Khamenei zum neuen obersten Anführer des Iran ernannt worden. Für Trump ist er inakzeptabel, Israel kündigte seine Tötung an. Wer ist der Mann an der Spitze des Mullah-Regimes?

Der 56 Jahre alte Mojtaba Khamenei gilt wie sein Vater, der die Geschicke des Iran mit harter Hand geführt hatte, als konservativer Hardliner. Er hatte noch nie ein offizielles Regierungsamt inne, doch seit Jahren gibt es Gerücht, dass der Khamenei-Sohn maßgeblichen Einfluss ausübte.

Spann vor Jahren seine Netze
In Depeschen von US-Diplomaten, die Ende der 2000-er von Wikileaks veröffentlicht wurden, wird er als „die Macht hinter den Roben“ beschrieben. Er gilt als eine „fähige und starke“ Figur, die innerhalb des Machtapparats Netzwerke pflegt und Entscheidungen beeinflusst. Besonders gute Verbindungen soll Mojtaba Khamenei zu Teilen der iranischen Revolutionsgarden haben.

Das soll ihm schon 2005 geholfen haben, als er erstmals das politische Rampenlicht betrat. Khamenei soll damals maßgeblich mitgeholfen haben, den Hardliner Mahmud Ahmadinejad an die Macht zu bringen. Der unterlegene Gegenkandidat der Reformer warf ihm damals vor, mithilfe der Revolutionsgarden Geld an religiöse Gruppierungen zu verteilen, wie die BBC berichtet.

Schon vor dem Krieg und dem Tod seines Vaters wurde Mojtaba Khamenei auf den Straßen von Teheran ...
Schon vor dem Krieg und dem Tod seines Vaters wurde Mojtaba Khamenei auf den Straßen von Teheran gehuldigt.(Bild: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH)

Als 2009 Ahmadinejad wiedergewählt wurde, gab es die gleichen Vorwürfe gegen Khamenei. Bei Massenprotesten der Grünen Revolution wurden auch Parolen gerufen, mit denen Mojtaba Khamenei als möglicher Nachfolger seines Vaters abgelehnt wurde. „Mojtaba, mögest du sterben und nicht Oberster Führer werden“, wurde damals skandiert.

Mutter und Ehefrau getötet worden
Jetzt, als tatsächlicher neuer Oberster Führer des Iran, gewählt durch den Expertenrat, erwarten viele, dass Khamenei die harte Politik seines Vaters fortführt. Eine Rolle dabei spielen dürfte auch, dass zusammen mit seinem Vater auch seine Mutter und seine Frau beim Luftangriff zu Beginn des Kriegs ums Leben kamen. US-Präsident Donald Trump hatte jedenfalls klargemacht, dass Mojtaba als Wahl „inakzeptabel“ für ihn ist und ihm gedroht.

Die Revolutionsgarden sicherten Mojtaba Khamenei bereits ihre bedingungslose Unterstützung zu. Sie seien bereit, ihm „mit vollständigem Gehorsam und Selbstaufopferung zu folgen“. Die Revolutionsgarden hatten zuvor ungeachtet neuer massiver Luftangriffe Israels ihren Kampfeswillen betont. Sie seien in der Lage, „einen intensiven Krieg mit dem derzeitigen Tempo mindestens sechs Monate lang fortzusetzen“. Sie drohten, in Kürze modernere Raketen mit großer Reichweite zu verwenden. Bisher seien nur Raketen der „ersten und zweiten Generation“ eingesetzt worden.

Kein hoher geistlicher Rang
Ein Manko hat der neue Oberste Führer: Er ist lediglich ein Geistlicher von mittlerem Rang und trägt nicht den höchsten religiösen Titel im schiitischen Islam, Ayatollah. In einigen iranischen Staatsmedien wird er allerdings bereits so genannt und könnte bald dazu befördert werden, um seine Position in religiöser Hinsicht zu stärken. Auch sein Vater Ali Khamenei wurde 1989 schnell zum Ayatollah gemacht, als er Oberster Führer wurde.

Das geistliche Oberhaupt, oft auch „Revolutionsführer“ genannt, gilt als wichtigster Mann im Iran. Unter Ali Khamenei und seinem Vorgänger, dem Staatsgründer Ayatollah Ruhollah Khomeini, hatte der Revolutionsführer das letzte Wort in allen Staatsangelegenheiten – von der Außenpolitik bis hin zu gesellschaftlichen Fragen. Der neue Mann an der Spitze steht auch schon auf der Abschussliste: Israel hatte bereits vor Tagen gedroht, jeden künftigen Anführer des Iran zu töten.

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