Mensch von nebenan

Ultra-Fan: „Habe ESC immer auf Omas Sofa geschaut“

Wien
15.05.2026 11:00

Der Song Contest färbt die Stadt dieser Tage bunt. Roderick Martin vom offiziellen Fanclub erzählt, warum heuer nicht alles rosarot ist und weshalb die Euphorie geringer ausfällt. 

Bunte Kleidung, glitzernde Accessoires und die Länderflagge in der Hand. So ist die Montur der meisten Song Contest-Fans, die aktuell auf diversen Partys oder im Eurovision Village am Rathausplatz das größte Musikevent der Welt in Wien feiern. Der 33-jährige Roderick Martin mag es da lieber dezenter. Er selbst ist Teil des offiziellen ESC-Fanclubs in Österreich (OGAE) und erzählt der „Krone“, was ihn an dem Bewerb so begeistert.

„Krone“: Roderick, wann hast du deine ersten Berührungspunkte mit dem Song Contest gemacht?
Roderick Martin: Ich bin relativ spät eingestiegen, eigentlich. Ich habe den ersten ESC gesehen, da war ich elf Jahre alt. Ich habe die ersten paar Jahre immer auf der Couch mit meiner Oma geschaut. Das war quasi unsere gemeinsame Sache und eine schöne Erinnerung. Meine Eltern konnten dem Musikbewerb nichts abgewinnen.

Was fasziniert dich so an dem Musikevent?
Der Song Contest zeigt unglaubliche Vielfalt auf der Bühne, was Sprachen, Kulturen und Menschen angeht. Das hat mich immer fasziniert. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sich viele aus der queeren Community damit so gut identifizieren können. Ich habe mich immer gefreut, dass dann einmal im Jahr diese Diversität richtig gefeiert wurde.

Wie macht sich Wien als Austragungsort heuer?
Da gibt es eine spannende Diskrepanz zwischen Innen- und Außenansicht. Leute von außen sagen: ’Wien ist mega’. Auch die Künstler, mit denen ich gesprochen habe, meinten, dass es so einen riesigen Empfang wie in Wien am Sonntag bei der Eröffnung im Eurovision Village noch nie gab.

Die Leute in Wien raunzen natürlich. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass der vergangene Sieg noch nicht so lange her ist. 2015 war die Euphorie einfach größer.

Du warst ja selbst auch 2024 in Malmö beim ESC vor Ort. Haben es die Schweden rückblickend besser gemacht?
Ich war die ganze Woche dort und bei allen Liveshows. Das war schon sehr cool, aber auch intensiv. In Malmö hat das Thema mit Israel so richtig Fahrt aufgenommen. Ich war schockiert, wie sehr das die Fans spaltete. Du hast teilweise wirklich die Luft schneiden können, weil alles so angespannt war.

Bleiben wir beim Thema Israel und Palästina. Wie sehr sind die Fans tatsächlich gespalten?
Man redet nicht mit jedem Fan, den man kennenlernt, über Israel, aber man kommt schon sehr oft darauf zurück. Viele sind einfach unzufrieden mit der Situation, egal, wie man dazu steht.

Der Song Contest muss einfach eine Antwort für sich auf diese Israel-Frage finden. Lange Zeit waren die ESC-Fans eine kleine Bubble, und das war schön. Aber diese Bubble ist vor zwei Jahren geplatzt und der Song Contest ist auch auf dem Boden der bitteren Realität angekommen.

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