Nach Rip-Deal-Coup

Brüderpaar entwischte Behörden und tauchte unter

Wien
22.03.2026 13:18

Sie sind wieder auf der Flucht: Zwei mutmaßliche Betrüger, die nach einem Rip-Deal-Coup in Wien in Italien bereits geschnappt worden waren, konnten sich dennoch erfolgreich den Behörden entziehen. Das Duo hätte eigentlich nach Österreich ausgeliefert werden sollen. Doch es wurde seitens der italienischen Behörden nur in einen nicht überwachten Hausarrest geschickt. Bei einem neuerlichen Polizeizugriff türmten die Täter.

Die Verdächtigen hatten mit zwei weiteren Komplizen ein Brüderpaar über den Tisch gezogen. Zum Coup kam es bereits im November des Vorjahres. Konkret gaben die vier Täter vor, Geschäftsleute zu sein und wollten von den Brüdern drei Kilogramm Gold kaufen – Wert: 300.000 Euro. 

15 Goldbarren und 300.000 Euro weg
Die Übergabe des Goldes fand in einem Wiener Innenstadthotel statt, insgesamt wechselten 15 Goldbarren den Besitzer. Zeitgleich fand die Geldübergabe in Mailand statt. Doch kurz davor wurde das Geld in Falschgeld umgetauscht. Gold und Geld waren damit weg. Die Täter tauchten unter, ein europäischer Haftbefehl erlassen.

Innerhalb von zwei Monaten gelang den Ermittlern ein Erfolg bei der Suche nach den Verdächtigen. Drei von ihnen konnten ausgeforscht werden. Am 12. Jänner nahmen italienische Beamte zwei von ihnen fest. Es handelte sich um zwei Brüder im Alter von 29 und 32 Jahren. Sie sollten in weiterer Folge nach Österreich ausgeliefert werden.

Das Brüderpaar ist untergetaucht, die Polizei bittet um Hinweise.
Das Brüderpaar ist untergetaucht, die Polizei bittet um Hinweise.(Bild: Krone KREATIV/LPD Wien)

In ungesicherten Hausarrest entlassen
Das Duo wurde allerdings nach der Festnahme nicht ins Gefängnis gebracht, sondern sei „von den italienischen Behörden in einen ungesicherten sowie elektronisch nicht überwachten Hausarrest entlassen“ worden, berichtete Polizeisprecherin Irina Steirer am Sonntag. Das Brüderpaar legte außerdem Rechtsmittel gegen seine Auslieferung nach Österreich ein, jedoch vergeblich.

Phänomen Rip-Deal

  • Delikte dieser Art werden nahezu ausschließlich von Familienclans der Westbalkanregion angewandt, welche sich gegenüber den Opfern als reiche Geschäftsleute oder Investoren präsentieren.
  • Es handelt sich um variantenreiche betrügerische Rechtsgeschäfte, bei denen zumeist vorgegeben wird, Luxusgüter wie Uhren oder Gold erwerben zu wollen. Rahmengeschäfte mit den späteren Opfern dienen jedoch nur als Vorwand, um Vertrauen zu gewinnen und die Glaubwürdigkeit zu untermauern.
  • Die Täterschaft beabsichtigt meist, die Geschäfte zumindest teilweise im Ausland abzuwickeln, wo die Luxusgüter unbemerkt gegen wertlose Güter ausgetauscht werden oder unbemerkt Falschgeld übergeben wird.
  • Auch beim Verkauf von Immobilien, Booten oder hochpreisigen Autos schlagen die Täter mittels angeblicher Vermittlungsprovisionen – oftmals auch in Kryptowährung – zu. Auf geleistete Provisionen der Opfer erfolgt keine Zahlung. 

„Nachdem das oberste Berufungsgericht in Italien die Auslieferung nach Österreich rechtskräftig bestätigte, erfolgte durch die italienischen Polizeibehörden ein erneuter Zugriff an der Wohnadresse der Männer nahe Mailand“, erklärte Steirer weiter. Doch dabei sei den Brüdern die Flucht gelungen. Von ihnen fehlt derzeit jede Spur.

Hinweise auf Brüderpaar erbeten!
Nun wird einmal mehr nach den Brüdern gefahndet, die Polizei bittet zudem auch die Bevölkerung um Mithilfe und hat Fotos der Brüder veröffentlicht.

Bei den beiden Männern handelt es sich um sich um die Brüder Luca und Giacomo Dragutinovic. Zur Ausforschung ihres Aufenthaltsortes und zur Ermöglichung einer neuerlichen Festnahme sowie anschließenden Auslieferung nach Österreich ersucht die Polizei über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien um Veröffentlichung der Lichtbilder der Tatverdächtigen.

Hinweise werden streng vertraulich behandelt – auch anonym – an das Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Zentrum-Ost, Rip-Deal Unit Vienna, unter der Telefonnummer 01 31310 62510 erbeten. 

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