„Fühlen uns betrogen“

250 Millionen! Neue Ermittlungen im Benko-Krimi

Wirtschaft
21.03.2026 15:20

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen René Benko ausgeweitet. Der Signa-Gründer soll einem Investor ein 250-Millionen-Euro-Darlehen in betrügerischer Absicht herausgelockt haben. Die „Krone“ kennt die Hintergründe.

Erst am 12. März wurde bekannt, dass Österreichs bekanntester Untersuchungs-Häftling in der Justizanstalt Innsbruck einer handwerklichen Betätigung nachgehen möchte: René Benko habe bei der Gefängnisleitung um einen Arbeitsplatz in der Tischlerei angesucht, bestätigte sein Umfeld. Tenor: Bis zuletzt sei Benko – gemeinsam mit seinen Strafverteidigern – „nahezu durchgehend mit der Bearbeitung des Strafakts beschäftigt“ gewesen. Da nun aber keine neuen Ermittlungsstränge erkennbar wären, könne der Signa-Gründer derzeit einer Beschäftigung nachgehen.

Ein Trugschluss, wie sich nun herausstellt.

Investor belastete Benko
Laut „Krone“-Recherchen hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den 48-jährigen Milliardenpleitier am 18. März 2026 um einen durchaus brisanten Strang ausgeweitet. Der Vorwurf: Benko soll im September 2022, als sein Signa-Kartenhaus nach Ansicht der Ermittler bereits massiv einsturzgefährdet war, ein 250-Millionen-Euro-Darlehen für die Signa Holding aufgenommen haben. Von einer Ameria AG in Liechtenstein, die zum Firmenimperium der Familie Arduini zählt. Die Arduinis waren seit 2012 bei der Signa-Gruppe als Großinvestoren an Bord. Familienpatriarch Riccardo Arduini hatte Benko zuletzt bei der WKStA schwer belastet: Ursprünglich sei versprochen worden, dass die 250 Millionen Euro binnen weniger Wochen wieder zurückfließen werden. Doch dann habe Benko immer wieder um Verlängerung gebeten. „Natürlich fühlen wir uns betrogen“, erklärte Arduini in seiner 48-seitigen Zeugenaussage.

Signa-Gründer Rene Benko
Signa-Gründer Rene Benko(Bild: APA/BARBARA GINDL)

Die Ermittler meinen nun, Benko habe die 250 Millionen Euro als faktischer Machthaber in betrügerischer Absicht herausgelockt. Der Beschuldigte bestreitet sämtliche Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.

„Vollumfassend informiert“
Auch beim sogenannten Geldkarussell, einer Kapitalerhöhung der Signa Holding im Sommer 2023, wird die Luft für den Finanzjongleur dünner – und der Erklärungsbedarf größer. Die Ermittler haben die Unterlagen der Hausdurchsuchung akribisch ausgewertet. In einem aktuellen Zwischenbericht der Soko Signa an die WKStA heißt es wörtlich: „Aus der (…) E-Mail-Korrespondenz vom 16.6.2023 – also nur wenige Tage vor Durchführung der geplanten Kapitalmaßnahme – ergibt sich, dass René Benko vollumfassend über die Liquiditätssituation bei der Signa Holding GmbH, der Signa Prime Holding GmbH, der Signa Development Selection Beteiligungs AG und der Familie Benko Privatstiftung informiert war – also genau jener Gesellschaften, über deren Konten am 29.6.2023 die Zahlungen im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung abgewickelt wurden („Karussell“)!“ Aus Sicht der Ermittler ist diese Feststellung ein wichtiger Mosaikstein zum Nachweis des Betrugsvorsatzes, der dem Pleitier unterstellt wird – und den dieser bestreitet.

Tatsächlich dürfte sich Benko bald wieder mehr mit unangenehmen Fragen der Staatsanwaltschaft als mit Tischlerarbeiten beschäftigen müssen. 

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