Sauberer Strom oder doch tickende Zeitbombe? Die Atomkraft spaltet seit Jahrzehnten Befürworter und Gegner. Nun sorgen Mini-Kraftwerke (SMR) für hitzige Debatten. Erste Anlagen gibt es in Russland und in China. Pilotprojekte und Lizenzverfahren laufen schon in den USA, in Polen und Tschechien.
Sie liefert Strom ohne CO2, läuft rund um die Uhr und spaltet mehr als nur die Gesellschaft: Atomkraft ist zurück in der Debatte. Experten wie Georg Steinhauser von der TU Wien bewerten die moderne Atomenergie als „sicher“ – andere wie Nikolaus Müllner von der BOKU hingegen raten davon ab.
So entsteht der Strom im Atom
Im Kern eines Kraftwerks werden Uran-Atome gespalten. Dabei entsteht enorme Hitze, die Wasser in Dampf wandelt. Der treibt wiederum Turbinen an und erzeugt das Endprodukt: Strom. Aktuell sind rund 408 Reaktoren weltweit in Betrieb. In Europa werden allerdings mehr Anlagen stillgelegt als neu gebaut. Über 130 Reaktoren stehen EU-weit im Rückbau. Auf den ersten Blick wirkt das unverständlich, wenn bedacht wird, dass Atomenergie im Betrieb – im Gegensatz zu anderen Methoden der Energiegewinnung – praktisch kaum CO2-Emissionen ausstößt.
Was gegen die Nutzung von Atomkraft spricht
Doch Experten wie Christian Klöppelt vom Fraunhofer-Institut aus Deutschland warnen. Mehrere Faktoren sprechen dagegen. Einerseits seien die Kosten immens. Bau, Sicherheit und Rückbau verschlingen Milliarden – die der Staat übernehmen müsste. Ein weiteres ungelöstes Problem stellt radioaktiver Abfall dar – gefährlich für zehntausende von Jahren. Jetzt gibt es zwar erstmals eine Lösung – Finnland eröffnet mit „Onkalo“ das weltweit erste Endlager tief unter der Erde -, doch das Problem an sich ist damit nicht gelöst. „Es ist keine saubere Lösung, aber die beste, die uns bis jetzt eingefallen ist“, so Nikolaus Müllner.
Rutschen in die Abhängigkeit
Und: Atomkraft macht Länder abhängig. Denn Uran kommt häufig aus politisch sensiblen Regionen wie Russland, Kasachstan oder dem Niger. Müllner: „Wir würden von einer Abhängigkeit in die andere rutschen.“
Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor einer Rennaissance der Kernenergie. Denn Atomkraft bleibe ohne massive Förderung vom Staat nicht konkurrenzfähig. Die Baukosten sind immer noch unberechenbar.
Noch immer wurde kein Ort gefunden, an dem Atommüll bis in die Ewigkeit sicher gelagert werden kann.

Jasmin Duregger, Energie-Expertin Greenpeace
Bild: Mitja Kobal
Mini-Reaktoren als Hoffnung der Atomlobby
Der Ausstieg aus der Atomkraft sei laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jedenfalls ein „Fehler“ gewesen. Die EU sieht Mini-Kraftwerke (SMR) als wichtigen Bestandteil der Energie- und Klimapolitik. Unter anderem plant die EU eine zusätzliche befristete Aufstockung von InvestEU um 200 Millionen Euro bis 2028, um erste kommerzielle Reaktoren zu fördern.
Österreich ist strikt dagegen
„Es ist nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission auf eine Technologie setzt, die erst entwickelt werden muss, während sichere, kostengünstigere und sofort verfügbare erneuerbare Alternativen bereits heute zur Verfügung stehen“, erklärt Umweltschutzminister Norbert Totschnig.
Österreich lehnt die Finanzierung von SMRs mit EU-Geldern entschieden ab. Stattdessen setzen wir auf erneuerbare Energien.

Norbert Totschnig, Minister für Umweltschutz
Bild: Eva Manhart
SMR-Anlagen gibt es in Russland und China. Erste Pilotprojekte und Lizenzierungsverfahren laufen übrigens in den USA, Kanada, Polen und Tschechien. Mini-Kraftwerke (SMR) gelten als mögliche Lösung der Atomdebatte: Sie sollen kleiner und schneller im Bau sein.
Zwentendorf bleibt Mahnmal: Gruselige Stille im „toten“ AKW
Wo eigentlich Strom fließen sollte, herrscht gespenstische Ruhe: Zwei Maturaklassen der HLW Linz-Auhof haben dem stillgelegten AKW Zwentendorf einen Besuch abgestattet – und dabei tiefe Einblicke in die Welt der Atomenergie gewonnen.
Es herrschte ein Gefühl, das viele als „gruselig“ beschrieben. „Alles wirkt eingefroren – als hätte man einfach auf Pause gedrückt“, so eine Schülerin. Doch die Exkursion – organisiert von atomstopp_atomkraftfrei leben! – war eben keine Werbetour. Im Gegenteil: Kritische Fragen standen im Mittelpunkt. Wie sicher ist Atomkraft wirklich? Was passiert mit dem radioaktiven Müll? Und: Wer bezahlt am Ende den jahrzehntelangen Rückbau, der bis zu 50 Jahre dauern kann?
Viele Fragen, die offen blieben und in Österreich (noch) nicht gestellt werden müssen …
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