Explodierende Preise

Gas und Öl: So steht es um Österreichs Versorgung

Wirtschaft
20.03.2026 20:18
Porträt von krone.at
Von krone.at

Raketen, blockierte Seewege und explodierende Preise: Der Konflikt im Nahen Osten hat die globalen Energiemärkte erschüttert – und sorgt auch in Österreich für wachsende Nervosität. Doch während weltweit von Knappheit und Notmaßnahmen die Rede ist, stellt sich hierzulande eine entscheidende Frage: Droht uns wirklich eine neue Energiekrise – oder bleibt alles unter Kontrolle?

Im Interview mit Puls24 gibt der Wiener Ökonom Harald Oberhofer vorsichtige Entwarnung. Der WU-Professor, der auch Mitglied der Taskforce Versorgungssicherheit der Bundesregierung ist, betont, dass die Lage in Österreich „nach wie vor stabil“ sei. Es gebe aktuell kein Problem bei der Versorgungssicherheit im Energiebereich. Ein Grund: Österreich bezieht kaum direkt Energie aus der Golfregion, die derzeit besonders stark vom Konflikt betroffen ist.

Preise steigen – aber Versorgung bleibt stabil
Was Österreich allerdings sehr wohl spürt, ist der globale Preisdruck. Durch die Verknappung auf den Weltmärkten – vor allem in Asien – steigen die Energiepreise deutlich. Dort wird laut Oberhofer „händeringend nach Energieimporten gesucht“, was die Preise nach oben treibt. Österreich sei daher „über die Preise betroffen, aber nicht über die Versorgungssicherheit“.

Tatsächlich zeigen aktuelle Daten: Der Ölpreis ist seit Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar zeitweise um bis zu 50 Prozent gestiegen und lag zwischenzeitlich deutlich über 100 US-Dollar pro Barrel. Auch Gaspreise in Europa zogen kräftig an, wenn auch noch weit entfernt von den Extremwerten des Jahres 2022.

Gas: Katar-Ausfall spürbar – aber nicht dramatisch
Besonders genau beobachtet wird derzeit die Lage am Gasmarkt. Auslöser ist ein Angriff auf Energieanlagen in Katar, einem der wichtigsten LNG-Exporteure der Welt. Laut Oberhofer betreffen die Schäden rund 17 Prozent der Exportkapazitäten Katars. Da das Land etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggases liefert, entspricht das einem globalen Rückgang von rund 3,5 Prozent beim LNG-Angebot.

Auf den ersten Blick eine beachtliche Zahl – doch für Europa relativiert sich die Situation. „Wir beziehen nur etwa vier Prozent unserer Gasimporte aus Katar“, erklärt Oberhofer. Selbst wenn dort ein Teil ausfällt, sei die Auswirkung auf Europa „nicht ganz so dramatisch“. Zudem ist Europa breiter aufgestellt als viele asiatische Länder und setzt stark auf Pipelinegas etwa aus Norwegen.

Harald Oberhofer ist als WIFO-Ökonom auch Teil der Taskforce Versorgungssicherheit der ...
Harald Oberhofer ist als WIFO-Ökonom auch Teil der Taskforce Versorgungssicherheit der Bundesregierung.(Bild: Roman Reiter)

Auch die Regulierungsbehörde E-Control sieht aktuell keine akute Versorgungsgefahr: Die Gasversorgung gilt für mehrere Monate als gesichert, Engpässe sind vorerst nicht zu erwarten. Kritisch könnte es allerdings werden, wenn sich die Einspeicherung für den kommenden Winter verzögert.

Ölmarkt reagiert nervös – Panik inklusive
Beim Rohöl zeigt sich vor allem eines: enorme Unsicherheit. Oberhofer verweist darauf, dass der Preis kurzfristig bereits wieder in Richtung 120 Dollar pro Barrel geklettert sei – ein Niveau wie zuletzt 2022. Auslöser seien oft einzelne Nachrichten, etwa Angriffe auf Energieanlagen, auf die Märkte „teilweise schon fast panikartig“ reagieren.

Im Tagesverlauf beruhigte sich der Markt nach einem sprunghaften Anstieg aber Donnerstag aber wieder etwas. Doch die zentrale Frage bleibt laut Oberhofer: Wie lange dauert der Konflikt? Denn je länger die Krise anhält, desto größer wird der wirtschaftliche Schaden.

Die Karte zeigt Angriffe auf Energieanlagen am 18. und 19. März im Nahen Osten. Markiert sind israelische Angriffe auf das Gasfeld South Pars und iranische Gegenschläge auf Anlagen in Saudi-Arabien, Katar und Kuwait. Quelle: APA.

Asien im Krisenmodus – erste Sparmaßnahmen
Während Europa bislang vergleichsweise glimpflich davonkommt, ist die Lage in Asien deutlich angespannter. Oberhofer berichtet von ersten drastischen Maßnahmen: In Indien drosseln energieintensive Betriebe bereits ihre Produktion, weil Gas fehlt. Sri Lanka hat sogar einen zusätzlichen wöchentlichen Feiertag (jeder Mittwoch ist nun frei) eingeführt, um Energie zu sparen.

Das zeigt, wo das Zentrum der aktuellen Energiekrise liegt – zumindest vorerst. Doch klar ist auch: Je länger die Situation anhält, desto stärker wird sie sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken.

Staat greift ein – aber mit Risiko
Auch politisch wird reagiert. In Österreich sind etwa Maßnahmen wie ein Strompreisdeckel oder Eingriffe bei Spritpreisen geplant. Oberhofer sieht dabei vor allem die Margen im Fokus. Bei Steuersenkungen hingegen sei unklar, ob diese tatsächlich bei den Konsumenten ankommen oder von Unternehmen abgeschöpft werden. Wichtig sei außerdem, dass Eingriffe rasch zurückgenommen werden, sobald sie die Versorgungssicherheit gefährden könnten.

Inflation droht wieder anzuziehen
Ein Risiko bleibt die Inflation. Angebotsschocks – also plötzliche Verknappungen – treiben laut Oberhofer die Preise besonders stark. Energie spiele dabei eine Schlüsselrolle, da sie in nahezu allen Produktionsprozessen benötigt wird – von Industrie bis Transport.

Experten rechnen aktuell mit einem Anstieg der Inflation um bis zu 0,3 Prozentpunkte. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie lange die Energiepreise hoch bleiben.

Keine Krise – noch nicht
Unterm Strich ergibt sich ein differenziertes Bild: Österreich ist derzeit gut abgesichert, eine Versorgungskrise wie 2022 gilt als noch als unwahrscheinlich. Die Auswirkungen sind dennoch spürbar – vor allem an den Zapfsäulen und auf den Energiemärkten.

Oder, wie es Oberhofer zusammenfasst: Die eigentliche Gefahr liegt nicht in leeren Speichern – sondern in steigenden Preisen und einer zunehmend nervösen Weltwirtschaft.

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