In den vergangenen 20 Jahren ist rund die Hälfte der gesamten Gletscherfläche in Vorarlberg geschmolzen. Einige Gletscher sind bereits zur Gänze verschwunden. Bleibt es bei dieser Entwicklung, wird es nicht mehr lange dauern, bis auch das letzte ewige Eis verwunden sein wird.
Seit Mitte der 2000er-Jahre ist etwa die Hälfte der Gletscherfläche Vorarlbergs verschwunden. Zwischen 2017 und 2023 schrumpften die Gletscher im Schnitt sogar um fünf Prozent pro Jahr. Von den 30 zuvor erfassten Gletschern sind zudem seit 2017 fünf vollständig verschwunden. Zu diesem Resultat kommen, kurz vor dem Welttag der Gletscher am Samstag (21. März), Forschende der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Journal „Annals of Glaciology“.
Das Team um die Glaziologinnen Andrea Fischer und Lea Hartl vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der ÖAW analysierte Gletscherumrisse in Österreichs westlichstem Bundesland seit der Gletscherinventur „GI3“, die hier den Gletscherstand von 2004 bis 2006 erfasste. Die Forschenden untersuchten die Entwicklung in den vier alpinen Vorarlberger Regionen – der Silvretta, dem Rätikon, Verwall und Lechtal – anhand von Luftbildern mit einer Auflösung von zehn bis 20 Zentimetern sowie digitalen Höhenmodellen aus den Jahren 2017 und 2023, die vom Land zur Verfügung gestellt wurden.
Im Verwall seien die westlichsten Gletscher – der Mittlere, Westliche und Östliche Eisentaler Gletscher – nicht mehr vorhanden. Man fand hier auch keine Hinweise auf verbliebenes Eis in den ausgewerteten Orthophotos von 2023. Das Gleiche gilt für den kleinsten der sechs Lechtaler Gletscher und den westlichsten Eiskörper der Silvretta, den Garnera-Gletscher. Zudem hatten acht Gletscher mehr als die Hälfte ihrer Fläche aus dem Jahr 2017 eingebüßt, heißt es in der Studie.
Gletscher und Toteis
Für das Jahr 2023 kartierten die Forschenden in den vier Regionen 55 „einzelne Fragmente“, also Mini-Gletscher oder vom Hauptgletscher abgetrennte Teile, von denen 29 größer als 0,01 Quadratkilometer waren. 16 Fragmente, die 13 Gletschern zugeordnet werden konnten, zeigten Spalten. „Diese sind ein Zeichen für aktuelle oder frühere Gletscherbewegung“, erklärt Hartl. Das spiele besonders im Zusammenhang mit der Definition von Gletschern eine Rolle: „Fragmente, die noch Spalten haben, weisen somit Anzeichen für Bewegung auf und erfüllen damit ein Kriterium der Definition eines Gletschers“, so die Forscherin. So ließen sich Gletscher etwa von dem – sich nicht mehr bewegenden – Toteis abgrenzen.
Beschleunigte Verlustraten
Seit der Gletscherinventur Mitte der 2000er-Jahre haben sich die Flächenverlustraten in allen vier Teilregionen beschleunigt, wobei es auch zwischen den Regionen Unterschiede gibt, halten die Autoren fest. Schon der jüngst vom Alpenverein präsentierte Gletscherbericht kam zu einem alarmierenden Ergebnis. Die dramatischen Flächenverluste, besonders in extremen Jahren, lassen vermuten: Man werde sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren „von zahlreichen Gletschern in ganz Österreich verabschieden müssen“, so auch Hartl. Das Schmelzen ginge rasch vonstatten, in extremen Jahren erreichen die jährlichen Flächenverluste den hohen einstelligen Prozentbereich.
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