„Stillstand“
Stornos: Nahost-Krieg trifft Türkei besonders hart
Der anhaltende Iran-Krieg bereitet dem türkischen Tourismus derzeit massives Kopfzerbrechen. Die Branche klagt über eine massive Stornowelle von Urlaubern.
Die Türkei blieb bisher von Angriffen aus dem Iran verschont. Ob die Sicherheitslage stabil bleibt, ist eine Frage, die derzeit viele Touristen aus Europa beschäftigt. Am 13. März hat das österreichische Außenministerium seine Türkei-Hinweise verschärft. Von nicht notwendigen Reisen in das Grenzgebiet der Türkei zu Iran, Irak und Syrien wird abgeraten (Sicherheitsstufe 4 von 4).
Jährlich machen im Schnitt 3,3 Millionen Iraner Urlaub in der Türkei
„Seit Beginn des Iran-Krieges sind Reisen aus den östlichen und südöstlichen Nachbarländern komplett eingebrochen“, berichtet Onur Tuncdemir, Leiter von Verkauf und Marketing bei Ayanis Tour, gegenüber dem deutschen „Focus“. Und fügt hinzu: „In den letzten Wochen sind wir nur noch mit Stornierungen und Rückerstattungen bereits angenommener Anzahlungen beschäftigt.“ Laut dem türkischen Statistikamt TÜİK kamen in den vergangenen Jahren durchschnittlich 3,3 Millionen Besucher jährlich aus dem Iran.
Der Krieg habe auch unmittelbare Folgen für die türkische Wirtschaft in den Grenzregionen. Die Branche leidet ihm zufolge bereits seit den regimekritischen Protesten Ende 2025 und Anfang 2026 unter massiven Verlusten. Seit dem 28. Februar sei es jedoch zu einem absoluten Stillstand gekommen – ausgerechnet jetzt, wo das Fest des Fastenbrechens und das Neujahrsfest Newrouz zusammenfielen.
Türkei-Hinweise des österreichischen Außenministeriums
- Regionale Reisewarnung: Sicherheitsstufe 4 (von 4) gilt für Reisen in Gebiete die sich weniger als 10 km von der syrischen, der irakischen oder der iranischen Grenze entfernt befinden.
- Hohes Sicherheitsrisiko: Sicherheitsstufe 3 (von 4) Gefahr von Terroranschlägen in den Ballungszentren.
- Sicherheitsrisiko: Sicherheitsstufe 2 (von 4) gilt im Rest des Landes.
„Die nächsten vier bis sechs Wochen werden entscheidend sein“
Mehmet Isler, Vorsitzender des Verbandes der Tourismus- und Beherbergungsbetriebe in der Ägäis (ETIK), bestätigt die massiven Stornierungen aus dem Iran und dem arabischen Raum, geht aber davon aus, dass sich Tourismusströme aus Krisenregionen in das sicherere Mittelmeer verlagern könnten und hofft damit auch auf die Türkei. Dennoch fügt er hinzu: „Die nächsten vier bis sechs Wochen werden entscheidend sein. Kurzfristige Verluste ziehen wir natürlich in Betracht.“
Die türkische Reisebranche ist sehr resilient. Wir haben Krisen wie die Pandemie, den Ukraine-Krieg und den Armenien-Aserbaidschan-Konflikt überlebt.
Mehmet Isler, Vorsitzender des Verbandes der Tourismus- und Beherbergungsbetriebe in der Ägäis (ETIK)
Türkei beschwichtigt: Keine Gefahr für beliebte Reiseziele
Kaan Kavaloglu, Vorsitzender des Verbands der Hoteliers und Betreiber von Tourismusbetrieben im Mittelmeer (AKTOB), betont, dass an beliebten Orten wie Istanbul, Bodrum und Antalya keine Gefahr für Urlauber bestehe. Dennoch stellt auch er eine gewisse Zurückhaltung fest, insbesondere bei Buchungen aus Großbritannien.
Flughäfen in Golfstaaten als wichtige Drehkreuze
Die internationale Beratungsfirma Oxford Economics prognostiziert in einer aktuellen Analyse, dass der Tourismus im Nahen Osten 2026 zwischen 11 und 27 Prozent weniger Besucher verzeichnen könnte. Da die Flughäfen in den Golfstaaten auch wichtige Drehkreuze des weltweiten Reiseverkehrs seien und 14 Prozent der Flüge ausmachten, könnte dies Schätzungen zufolge eventuell einen Dominoeffekt auslösen.









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