Studie enthüllt:

Versteckte Macht – was Paare falsch einschätzen

Wissen
16.03.2026 17:58

Menschen unterschätzen systematisch, wie viel Macht sie in Beziehungen haben. Das zeigte eine neue Studie. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei unsicheren Personen. Durch das Erkennen dieses versteckten Einflusses könnten wir etwa Konflikte besser lösen, so die Forscher.

Die Studie wurde im Fachmagazin „Personality and Social Psychology Bulletin“ veröffentlicht. Die Ergebnisse daraus legen nahe, dass Menschen ihre Macht über ihren Partner und ihre Freunde deutlich unterschätzen. Mit „Macht“ bezeichnet die Forschung dabei die Fähigkeit, gemeinsame Entscheidungen zu lenken und persönliche Bedürfnisse zu erfüllen.

Gefühl der Machtlosigkeit kann zu Aggressivität führen
Frühere Studien zeigten bereits, dass Menschen, die sich machtlos fühlen, oft ihre wahren Bedürfnisse verbergen. Außerdem fühlen sie sich allgemein unwohler und handeln manchmal sogar aggressiv, um ein Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen. Bislang war unklar, ob diese negativen Folgen tatsächlich auf mangelnden Einfluss oder auf eine falsche Annahme der Machtlosigkeit zurückzuführen sind.

Über 1000 Paare befragt
Um das Phänomen der Machtlosigkeit zu erforschen, untersuchten die Wissenschaftler über 1300 Paare, darunter homo- sowie heterosexuelle Paare und Freunde. Mit Fragebögen wurden sie dazu befragt, wie sie ihre eigene Fähigkeit einschätzen, den Partner zu beeinflussen. Die zweite Person tat dasselbe, am Schluss wurden die Ergebnisse verglichen. Durchgeführt wurde die Studie von Robert Körner und Nickola C. Overall.

Männer unterschätzen sich eher als Frauen
Die Ergebnisse zeigten: Die Teilnehmer nahmen allesamt an, sie hätten weniger Macht, als wirklich der Fall war. In heterosexuellen Beziehungen unterschätzten Männer ihre Macht zudem deutlich stärker als Frauen. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich dieser Geschlechterunterschied mit traditionellen Erwartungen erklären lässt. Demnach würden Männer unter starkem Druck stehen, ständig Autorität auszuüben und zu demonstrieren.

Auch Bindungsängste wirken sich auf Selbsteinschätzung aus
Interessant war auch, dass Menschen mit Bindungsangst oder geringem Selbstwertgefühl ihre Macht stärker unterschätzten. Menschen mit einer hohen Beziehungsmotivation – also einem starken Wunsch, die Beziehung langfristig aufrechtzuerhalten – schätzten sich deutlich besser ein. Wenn Paare lernen, besser einzuordnen, wie viel Einfluss sie in Beziehungen haben, könnte das zu einer besseren Kommunikation führen. Die Forscher legen nahe, dass auch für die Beziehung schädliches Verhalten, wie Aggressionen oder Rückzug, dadurch vermieden werden könnte.

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