Experten vor Rätsel

Tote auf Luxusliner: So gefährlich ist Hantavirus

Wissen
04.05.2026 13:04
Porträt von krone.at
Von krone.at

Drei Todesfälle auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sorgen international für Aufsehen – und werfen zugleich viele Fragen auf. Während die Ermittlungen zur Ursache noch laufen, versuchen Wissenschafter den ungewöhnlichen Fall einzuordnen: Wie konnte es dazu kommen – und wie groß ist die Gefahr wirklich?

Fest steht: Auf dem Expeditionsschiff „MV Hondius“, das zwischen Argentinien und Kap Verde unterwegs ist, kam es zu mehreren schweren Erkrankungen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Hantavirus-Ausbruch. Drei Menschen starben, mindestens drei weitere erkrankten, teils schwer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte, dass zumindest ein Fall des Virus nachgewiesen wurde und Untersuchungen laufen.

Der britische „Guardian“ berichtet, dass die WHO derzeit sowohl Laboranalysen als auch epidemiologische Untersuchungen durchführt. „Detaillierte Untersuchungen laufen, einschließlich weiterer Labortests und epidemiologischer Analysen“, teilte die Organisation mit. Ziel sei es, die genaue Ursache und mögliche Übertragungswege zu klären.

Warum der Fall Experten überrascht
Für Fachleute ist der Ausbruch vor allem aus einem Grund bemerkenswert: Hantaviren treten normalerweise nicht in solchen Umgebungen auf. Sie werden überwiegend durch Nagetiere übertragen – etwa über deren Urin oder Kot.

Der neuseeländische Epidemiologe Michael Baker erklärte gegenüber der BBC, dass die Infektionen wahrscheinlich schon vor Reiseantritt erfolgt seien. Die Inkubationszeit liege meist bei zwei bis vier Wochen. „Das ist sehr ungewöhnlich für ein Kreuzfahrtschiff – und der denkbar schlechteste Ort, um schwer krank zu werden“, sagte er.

Auch die Epidemiologin Meru Sheel sieht den Fall als außergewöhnlich, mahnt jedoch zur Einordnung. Gegenüber ABC News betonte sie, die Situation erinnere zwar oberflächlich an frühere Ausbrüche auf Schiffen, sei aber nicht vergleichbar: Hantaviren würden „nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragen“. Eine großflächige Verbreitung hält sie daher für sehr unwahrscheinlich.

Übertragung: Tierkontakt im Fokus
Nach aktuellem Wissensstand erfolgt die Ansteckung in den meisten Fällen durch das Einatmen von virushaltigem Staub, der aus Ausscheidungen infizierter Nagetiere stammt. Eine direkte Übertragung zwischen Menschen ist äußerst selten und nur bei bestimmten Virusvarianten beschrieben.

Gerade deshalb richtet sich der Blick der Forscher auf mögliche Quellen an Bord: Denkbar wäre etwa ein Kontakt mit kontaminierten Bereichen oder – wenn auch bislang unbestätigt – mit Nagetieren auf dem Schiff.

Fall ist „ungewöhnlich“
Der Virologe Paul Griffin bezeichnete den Fall gegenüber Euronews als „ungewöhnlich“ und verwies darauf, dass Ausbrüche dieser Art auf Kreuzfahrtschiffen extrem selten seien. Gleichzeitig schloss er nicht aus, dass unter speziellen Bedingungen auch eine begrenzte Mensch-zu-Mensch-Übertragung eine Rolle spielen könnte.

Wie gefährlich ist das Hantavirus?
Hantaviren können zwei schwere Krankheitsbilder auslösen:

  • Eine Form mit Lungenbeteiligung, die rasch zu Atemversagen führen kann
  • Eine Form mit Nierenbeteiligung, die in Europa meist milder verläuft

Eine spezifische Therapie gibt es nicht – behandelt wird unterstützend, etwa mit Sauerstoff oder intensivmedizinischer Betreuung. Entscheidend ist vor allem eine möglichst frühe Diagnose.

Kein Grund zur Panik
Trotz der tragischen Todesfälle betonen Experten übereinstimmend: Für die breite Bevölkerung besteht kein erhöhtes Risiko. Hantavirus-Ausbrüche sind in der Regel lokal begrenzt und an den Kontakt mit Nagetieren gebunden.

Der aktuelle Fall bleibt dennoch Gegenstand intensiver Untersuchungen. Im Fokus steht die Frage, ob die Infektionen bereits vor der Reise erfolgt sind – oder ob es an Bord eine bislang ungewöhnliche Übertragung gab.

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