Der bereits beschlossene Abgang von Stephanie Gräve als Intendantin des Vorarlberger Landestheaters sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Nachdem sich Gräve zunächst enttäuscht zeigte, publizierten nun Teile des Personals einen offenen Brief.
Das Vorarlberger Landestheater macht dieser Tage seinem Namen alle Ehre und inszeniert auch abseits des Spielplans ein Drama. Im Zentrum steht Intendantin Stephanie Gräve. Der von Landesrätin Schöbi-Fink geleitete Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft (KUGES) gab jüngst bekannt, dass man den Vertrag mit Gräve nicht mehr verlängern werde und die Stelle neu ausschreibe. Damit wäre Gräve dem Theater am Kornmarktplatz zehn Jahre vorgestanden.
Diese Information ließ allerdings die Wogen hochgehen. Gräve selbst zeigte sich überrascht, sie hätte gerne „noch viele Jahre mit diesem wundervollen Ensemble und Team für unser Vorarlberger Publikum Theater gemacht“. Auch die Grünen und die Neos zeigten sich unerfreut. Zudem hätte man der Intendantin die Nachricht über die Medien ausgerichtet, wurde kritisiert.
Diese Behauptung führte zu einer Klarstellung seitens der KUGES. Betont wurde in einer Aussendung, dass über eine mögliche Verlängerung auf den ausdrücklichen Wunsch Gräves zweieinhalb Jahre vorher entschieden worden sei. Dabei seien verschiedene Bewertungskriterien wie Programm, Vermittlung, wirtschaftliche Kennzahlen, Führungs- und Kommunikationskompetenz sowie Rollenverständnis eingeflossen. Unterm Strich hätte es aber nicht für eine „außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung“ gereicht, die für eine weitere Verlängerung ohne Ausschreibung nötig gewesen wäre. Über das Ergebnis sei Gräve zudem vorab und persönlich informiert worden.
Nun geht die Sache aber weiter, denn Teile des Personals richten sich mit einem offenen Brief an Landesrätin Schöbi-Fink. Darin wird die Politikerin gebeten, die Entscheidung zu überdenken. Neben viel Lob für das Engagement von Gräve geht auch eines klar aus dem Brief hervor, die Beschäftigten bangen um ihre Jobs: „Eine Intendanz wechselt, feste Künstler:innen und Mitarbeiter:innen gehen entweder mit oder bleiben, wenn sie die Chance bekommen – das ist der Optimalfall, der selten eintritt. Im schlimmsten Fall wird einem Ensemble eine neue künstlerische Leitung aufgedrückt, die gewachsene Strukturen stutzt und einen Großteil der Beschäftigten entlässt. Somit stehen wir, das künstlerische Personal des Vorarlberger Landestheaters, vor einer Periode der Ungewissheit und nicht selten vor Zukunftsängsten,“ heißt es in dem Brief, der von zahlreichen Mitarbeitenden, aber auch von Künstlern außerhalb Vorarlbergs unterschrieben wurde.
„Einvernehmlich, transparent und sicher“
Weiter heißt es in dem Schreiben: „Wir möchten Sie daher bitten, Ihre Entscheidung zu überdenken und gemeinsam mit Stephanie Gräve einen Weg zu finden, den zu einem späteren Zeitpunkt sicherlich notwendigen Übergang zu einer neuen Intendanz für alle einvernehmlich, transparent und sicher zu gestalten. Idealerweise auch in Abstimmung mit dem Ensemble des Landestheaters und dem künstlerischen Personal, das von Ihrer Entscheidung ja auch sehr konkret betroffen ist.“ Man wird abwarten müssen, ob sich das Land noch einmal umstimmen lassen wird – oder ob es sich hier schlicht um nicht erfüllbare, wenn auch nachvollziehbare Wünsche handelt.
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