Prägte Generationen

Großer Denker verstummt: Jürgen Habermas ist tot

Wissen
14.03.2026 15:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 96 Jahren in Starnberg, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf die Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Habermas zählte zu den wichtigsten Denkern der Gegenwart und meldete sich bis ins hohe Alter immer wieder in gesellschaftlichen und politischen Debatten zu Wort.

Habermas gehörte zur zweiten Generation der Frankfurter Schule, einer einflussreichen Strömung der Sozialphilosophie im 20. Jahrhundert. Seine Karriere begann in den 1950er-Jahren am Institut für Sozialforschung, wo er bei Theodor W. Adorno arbeitete. 1961 habilitierte er sich an der Philipps-Universität Marburg mit dem Werk „Strukturwandel der Öffentlichkeit“.

Lehrstuhl in Frankfurt
Nach wenigen Jahren an der Heidelberg University übernahm Habermas 1964 den Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie von Max Horkheimer an der Goethe University Frankfurt. Aus seiner Antrittsvorlesung entstand später das Buch „Erkenntnis und Interesse“ (1968). Während der Studentenrevolte wurde Habermas vielfach als Unterstützer der Bewegung wahrgenommen, zugleich lehnte er deren zunehmende Radikalisierung ab.

Hauptwerk in Starnberg entstanden
1971 wechselte Habermas nach Starnberg bei München, wo er bis 1981 das Max Planck Institute for the Study of the Scientific-Technological World leitete. In seinem letzten Jahr dort veröffentlichte er sein Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“.

1983 kehrte er an die Goethe University Frankfurt zurück und übernahm erneut einen Lehrstuhl für Philosophie, den er bis zu seiner Emeritierung 1994 innehatte.

Auch im Alter eine Stimme in Debatten
Auch danach blieb Habermas eine prägende Stimme im öffentlichen Diskurs. Im Alter, das er am Starnberger See verbrachte, äußerte er sich wiederholt zu politischen und gesellschaftlichen Fragen – etwa zum Kosovokrieg, zur Hirnforschung oder zu Religionskonflikten. Charakteristisch für seine gesprochene Rede war eine Beeinträchtigung durch eine angeborene Gaumenspalte.

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