Er ist laut, bunt und manchmal auch ein bisschen kitschig: der legendäre Wurstelprater. Die Ur-Wiener Institution feiert heuer bereits ihr 260-jähriges Bestehen. Grund genug für einen Streifzug durch den Vergnügungspark. Die „Krone“ besuchte die ältesten Fahrgeschäfte.
Der Wurstelprater ist heute eines der bekanntesten Wahrzeichen von Wien. Doch seine Geschichte reicht weit zurück. Es war vor rund 260 Jahren, im Jahr 1766, als Kaiser Joseph II. eine Entscheidung traf, die die Stadt verändern sollte. Bis dahin war der Prater ein streng abgeschirmtes Jagdgebiet des Hofes. Dann öffnete der Kaiser das Gelände für die Bevölkerung. Mit einem kaiserlichen Erlass erlaubte er den Wienern, hier zu spazieren, zu reiten oder sich einfach zu erholen. Erste Gastbetriebe wurden errichtet, Wirte, Kaffeesieder und Lebzelter siedelten sich an, Schaukeln, Ringelspiele und Kegelbahnen folgten.
Wichtiges Stück Wiener Alltagskultur
Heute umfasst der Wurstelprater über 250 Attraktionen, die Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene anlocken: von historischen Fahrgeschäften bis zum modernen Adrenalinritt. Beim „Krone“-Lokalaugenschein wird an diesem Nachmittag überall noch gearbeitet. Schließlich musste für den heutigen Start in die Sommersaison alles rechtzeitig fertig werden und glänzen. Wobei der Prater mittlerweile das ganze Jahr offen hat. „Bei uns ist immer etwas los, aber so bald es schön und warm ist, dann so richtig“, lacht Praterverbandspräsidentin Silvia Lang. Sie ist Schaustellerin, schon in fünfter Generation.
Seit 260 Jahren steht der Wurstelprater für Unterhaltung, Lebensfreude und unvergessliche Momente.
Praterverbands-Präsidentin Silvia Lang
„Der Prater ist mein Leben. Ich bin hier aufgewachsen. Meine Mutter ist im Prater geboren und auch gestorben.“ Die Unternehmerin ist die Ururenkelin von August Schaaf und Nikolai Kobelkoff, zwei der bedeutendsten Praterdynastien. Ihrer Familie gehört unter anderem das Elite-Autodrom, das älteste im Prater. Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern.
„Es ist viel, viel Arbeit. Der ganze Prater ist ein großes Team. Das schafft man fast nur als Familienbetrieb“, erzählt die 63-Jährige, als sie die „Krone“ durch den ältesten Vergnügungspark der Welt führt.
Szenenwechsel zur Alt Wiener Grottenbahn. Sie zählt zu den ältesten und bekanntesten Attraktionen hier. Für Nostalgiefans führt an einem Besuch seit Jahrzehnten kein Weg vorbei. Schon seit 75 Jahren bringt die Attraktion Kinderaugen zum Leuchten. In 30 liebevoll gestalteten Grotten können die Kleinsten hier die schönsten Traumwelten und Fantasiegebilde entdecken. Für den Saisonstart hat die Bahn ein kleines „Facelift“ bekommen. Nämlich eine neue Licht- und Tontechnik.
„Wir wollen, dass der alte Charme bleibt. Müssen uns aber natürlich immer weiterentwickeln“, sagt Betreiberin Kristina Brantusa. In der immer digitaler werdenden Welt müsse man den Kindern schließlich auch immer mehr bieten. Mit einer Umgestaltung und neuen Figuren soll das gelingen. Zum Abschluss besucht die „Krone“ dann noch eine richtige Legende.
Mit Ringelspiel und Schießbude über die Grenze geflüchtet
Die Prater Marina ist das älteste Ringelspiel. 1903 in Hamburg erbaut, reiste es zuerst durch die Länder, bis es schließlich nach dem 2. Weltkrieg in Wien landete und zu einer Institution wurde. Dem einen oder anderen ist es vielleicht auch unter den Namen Dschungelbahn, Tunnelbahn oder lustige Schlittenfahrt bekannt. Noch immer dreht es hurtig seine Runden, immerhin pro Minute 11 an der Zahl. Doch es hat eine bewegte Geschichte hinter sich. „Meine Eltern sind mit dem Ringelspiel und einer Schießbude aus der Tschechoslowakei über die Grenze nach Österreich geflüchtet“, erzählt Chefin Gabriele Nemec (68) bewegt. Mit viel Herzblut und Liebe haben sie und ihr Mann Fredo das legendäre Karussell erhalten. Der Motor ist immer noch der gleiche, also bereits über 100 Jahre alt.
Der Wurstelprater ist weit mehr als nur ein Vergnügungspark. Er ist ein Ort, an dem Wien lacht, staunt und sich für ein paar Stunden wieder ein bisschen wie ein Kind fühlt. „Diese einzigartige Mischung aus Nostalgie und Moderne ist das was den Prater ausmacht. Deshalb muss er unbedingt erhalten bleiben. Auch nach 260 Jahren“, appelliert Silvia Lang zum Abschluss
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