Der Konflikt zwischen zwei burgenländischen Wasserverbänden spitzt sich zu. Das Gericht verweist auf die Schlichtungsstelle, beim Land Burgenland sieht man dafür keine Zuständigkeit.
Ein Streit um die Trinkwasserversorgung könnte für rund 6000 Einwohner in den Gemeinden Jennersdorf, Mogersdorf und Weichselbaum spürbare Folgen haben. Ihnen droht ein Versorgungsengpass, weil kein Wasser mehr vom Lafnitztal ins Raabtal fließt. Neben Haushalten könnten auch Industriebetriebe und Beherbergungsbetriebe der Thermenregion Loipersdorf betroffen sein. „Ein wirtschaftlicher Schaden wäre in dem Fall kaum auszuschließen“, schlägt Jennersdorfs Stadtchef und Obmann des Wasserverbandes Unteres Raabtal, Reinhard Deutsch, Alarm.
Streit um Verträge, Brunnenanlagen und Abrechnungen
Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender Konflikt zwischen den Wasserverbänden Unteres Lafnitztal und Unteres Raabtal über Verträge, Brunnenanlagen und Abrechnungen. Der Wasserverband Unteres Raabtal kann nämlich nur einen Teil seines Wasserbedarfs selbst decken. Maximal 420.000 Kubikmeter Wasser lassen sich jährlich aus eigenen Brunnen fördern. Benötigt werden jedoch rund 560.000 Kubikmeter. Bisher wurde die fehlende Menge laut einer Vereinbarung aus dem Brunnenfeld Heiligenkreuz geliefert. Seit diese Lieferung gestoppt wurde, spitzt sich die Lage zu.
Der Wasserverband Unteres Raabtal wirft dem Nachbarverband zudem vor, die Wasserlieferung einseitig und unzulässig eingestellt zu haben. Eingebrachte Klagen beim Landesgericht Eisenstadt und beim Oberlandesgericht wurden mit dem Verweis auf ein Schiedsgericht abgewiesen. Eine weitere Klage ist aufrecht.
Dass man es ignoriert, dass ein Verband dem anderen das Wasser abdreht und das nicht hinterfragt, ist eigentlich unverantwortlich.

Bürgermeister Reinhard Deutsch
Bild: Christian Schulter
Klage eingebracht: Gerichte verwiesen auf Schiedsgericht
In verbrauchsarmen Zeiten reicht das Wasser noch aus. Doch bei höherem Bedarf, wie im Frühling und Sommer, könnte es eng werden – besonders in den Orten Mogersdorf, Wallendorf, Krobotek und Henndorf.
Kazinota: Politisches Spiel auf dem Rücken der Bürger
Beim Wasserverband Unteres Lafnitztal sieht die Ursache nicht beim eigenen Verband. „Bürgermeister Deutsch hat sich selbst das Wasser abgedreht, weil er eine Rückstauklappe eingebaut hat“, sagt Obmann Franz Kazinota. Dass der Konflikt vor Gericht gelandet ist, hält er für den falschen Weg. „Das ist ein politisches Spiel auf dem Rücken der Bürger. Hier handelt man fahrlässig und aus Sturheit und bringt eine ganze Region in Gefahr.“
Deutsch sieht Fahrlässigkeit beim Land
Diese Darstellung lässt Deutsch nicht gelten. Seine Kritik richtet sich ebenso an die Behörden. „Es ist grob fahrlässig, dass man hier zusieht.“
Land verweist auf zivilrechtliches Verfahren
Beim Land Burgenland verweist man darauf, dass der Wasserverband Unteres Raabtal in alle wasserrechtlichen Verfahren eingebunden gewesen sei. Einwände hätte es keine gegeben. Zudem handle es sich bei der Auseinandersetzung um einen zivilrechtlichen Vertragsstreit, der vor den ordentlichen Gerichten zu klären sei, weshalb das Land weder als Entscheidungsinstanz eingreifen noch ein Schiedsgericht einsetzen könne.
Jennersdorf will Versorgung über Steiermark sichern
Unterdessen sucht die Stadt Jennersdorf bereits nach Alternativen, um die Wasserversorgung langfristig abzusichern. Eine Möglichkeit wäre ein Anschluss an den steirischen Wasserverband Vulkanland. Erste Gespräche habe es bereits gegeben, sagt Deutsch. Der Gemeinderat soll diesbezüglich auch einen Grundsatzbeschluss fassen.
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