Sperre wegen Asbest

Steinbruch-Betreibern läuft langsam die Zeit davon

Burgenland
27.04.2026 18:58

Die von den Sperren betroffenen Betriebe im Burgenland hoffen, dass sie bald wieder aufsperren dürfen. Für sie steht ihr wirtschaftliches Überleben auf dem Spiel. Zudem sind sie überzeugt: Von ihren Abbaustätten und dem Material geht keine Gefahr aus. 

Stille im Steinbruch in Pilgersdorf: Seit vier Monaten ist das Gelände gesperrt, die Arbeiten ruhen. Pilgersdorf ist einer der insgesamt vier wegen Asbest geschlossenen Bruchstätten im Burgenland, die auch österreichweit negative Berühmtheit erlangt haben. Der dadurch entstandene Schaden ist gewaltig. Gerhard Horn, Geschäftsleiter der Firma Klöcher-Bau – die für die Standorte Rumpersdorf und Badersdorf zuständig ist – spricht von rund 350.000 Euro nur in den vier Monaten. Für die Gemeinde Pilgersdorf bedeute die Sperre ein Minus von rund 30.000 Euro, sagt auch Bürgermeister Ewald Bürger.

Fast gesamte Belegschaft gekündigt
Die vier Betriebe – sie haben sich zur ARGE Naturgestein zusammengeschlossen – haben mittlerweile fast ihre gesamte Belegschaft gekündigt, nur mehr einzelne sind übrig. Hinzu kommt ein „Rattenschwanz“ an weiteren Betroffenen: Frächter und verarbeitende Firmen. Der Betriebsleiter des Pilgersdorfer Steinbruchs, Frank Eichhorn, zählt unter anderem rund 60 kleinere Betriebe zu seinen Abnehmern. Teilweise stehe deren Zukunft am Spiel, sagt Eichhorn. Denn die Preise sind seit den Sperren merklich gestiegen.

Experte Prof. Kirschbaum sieht keine Gefahr durch die Abbauarbeiten.
Experte Prof. Kirschbaum sieht keine Gefahr durch die Abbauarbeiten.(Bild: Christoph Miehl)

Betreibern könnte der Konkurs bevorstehen
Aber auch die eigene Zukunft steht auf immer wackeligeren Füßen. Auf die Frage, wie lange man es sich noch leisten kann, geschlossen zu halten, lautet die Antwort: „Eigentlich ist das Limit schon überschritten.“ In ein bis zwei Monaten könne es sein, dass der ein oder andere Konkurs anmelden muss, meint Horn.

Messmethode wird angezweifelt
Das müsste nicht sein und auch die Sperre sei nicht gerechtfertigt, sind die Betreiber überzeugt. Ihre Botschaft: Die Steinbrüche und das Material stellen keine Gefahr für die Gesundheit dar. Unterstützung erhalten sie dabei von Professor Martin Kirschbaum, von der RWTH Aachen. Dieser stellt erneut die bisherigen Mess- und Untersuchungsmethoden massiv infrage. Denn die angewandte VDI 3866 sei nur bedingt oder gar nicht geeignet. Anstelle dessen wären die Methoden und Vorgaben der TRGS 517 anzuwenden gewesen. Nicht nur Greenpeace, auch die Behörde hätte mit den falschen Parametern gemessen, ist er überzeugt.

Belastung in der Luft
Abgesehen davon sage das reine Vorhandensein von Asbest im Gestein noch nichts über die mögliche Belastung in der Luft aus – welche die eigentliche Gefahr darstellt. Und: Der Grenzwert in der EU liege für Arbeitskräfte bei 100.000 Fasern pro Kubikmeter Luft in acht Stunden. In Deutschland und Österreich wurde dieser Wert zuletzt auf 10.000 gesenkt. Darunter müsse man sich überhaupt keine Sorgen machen, erklärt Kirschbaum. Seine Conclusio: Es bestehe keine Gefahr für die Beschäftigten, die Bevölkerung und die Umwelt.

„Da ist irgendwas falsch“
Greenpeace wirft er vor, auf PR und Emotionalisierung ausgerichtet zu sein. Über ein von der NGO veröffentlichtes Foto eines mutmaßlich weißen Asbeststeins meint Kirschbaum: „Das deutet eher auf ein Tempo-Taschentuch hin.“ Auch Eichhorn zweifelt an den „unglaublich hohen Werten“, die kolportiert würden: „Da ist irgendwas falsch.“ Man habe weiter eine aufrechte Genehmigung und habe immer alles getan, was gesetzlich vorgeschrieben war.

Im Steinbruch Pilgersdorf steht derzeit alles still.
Im Steinbruch Pilgersdorf steht derzeit alles still.(Bild: Christoph Miehl)

Probebetrieb könnte Klarheit bringen
Um Klarheit zu erhalten, würden die Abbaustätten nun gerne einen Probebetrieb durchführen, bei dem auch die Belastung in der Luft gemessen werden kann. Entsprechende Anträge seien bereits gestellt worden, bis jetzt habe es aber keine Antwort gegeben.

Bürgermeister Bürger unterstützt ebenfalls die Betreiber: Den Steinbruch in Pilgersdorf gebe es bereits seit 60 Jahren. Es bestehe keine Gesundheitsgefahr, hier werde nur mit der Angst gespielt.

Greenpeace strikt gegen ein Wiederaufsperren
Greenpeace sieht dies naturgemäß anders: Der Asbestschotter hätte gar nicht abgebaut und verkauft werden dürfen. Das habe das Umweltministerium kürzlich klargestellt. Die Steinbruchbetreiber hätten die Verantwortung gehabt, gesundheitsschädigende Stoffe wie Asbest zu analysieren und die Behörde zu informieren, so die NGO. Ein Wiederaufsperren sei „undenkbar“. „Die Steinbruch-Betreiber müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass das Geschäftsmodell Asbestschotter keine Zukunft hat“, betont Herwig Schuster von Greenpeace.

Sperre „alternativlos“
Beim Land ist man sich dem wirtschaftlichen Druck, unter dem die betroffenen Firmen stehen, bewusst. Dennoch: Die Sperre sei aufgrund von „Gefahr in Verzug“ erfolgt und die angeordneten Maßnahmen seien „alternativlos.“ 

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