


In der neuen Sonderausstellung „Nach der Natur gemalt“ rückt das Untere Belvedere ab Freitag das Genre seiner Landschaftsmalerei in den Fokus.
Nichts scheint die „Postkarten“-Idylle zu stören: Im Hintergrund die Berge, grüne Wiesen und Bäume, die im Sonnenlicht leuchten. Der Inbegriff des Biedermeiers. Dass hinter diesen Landschaftsbildern ein revolutionärer Geist steckte, mag überraschen.
„Ferdinand Georg Waldmüllers Wiedergabe der Realität und seine genauen Naturstudien wirken für uns heute ganz selbstverständlich, doch damals waren sie etwas Neues“, erklärt Kuratorin Arnika Groenewald-Schmidt im Interview mit der „Krone“. Er lehnte sich gegen die Akademie der bildenden Künste Wien auf, die an der idealisierten Historien-Malerei festhielt. Die Aufregung war so groß, dass Waldmüller seine Anstellung als Professor verlor.
Waldmüller wollte die Wirklichkeit darstellen
Doch er traf einen Nerv seiner Zeit: Nach dem Wiener Kongress „erstarkte der Patriotismus wieder. Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bedingten, dass man sich mehr auf das eigene Land konzentrierte. Die eigene Landschaft wurde zu einem Mittel der Identifikation.“ Die sich das Bürgertum in Bildern nach Hause holte. Genau diesen Landschaftsmalereien widmet sich die Ausstellung „Nach der Natur gemalt“ im Unteren Belvedere. „Wenn man an Waldmüller denkt, fallen einem als Erstes seine Porträts und Alltagsszenen ein“, so Groenewald-Schmidt. „Die Natur war bei ihm anfangs nur ein Hintergrund. Mit der Zeit wurde sie für ihn ein Motiv an sich.“ Aber nicht idealisiert, Waldmüller wollte die Wirklichkeit darstellen – und wurde so zu einem Vorläufer des Realismus.



Die Landschaftsmalerei boomte damals in Europa. Um diese Entwicklung aufzuzeigen, werden Waldmüllers Werken Gemälde von Zeitgenossen wie Jean-Baptiste Camille Corot oder John Constable gegenübergestellt. „Was alle Künstler eint, ist, dass sie sich auf die Natur des eigenen Landes konzentrierten, auf Motive aus der nahen Umgebung.“ Doch kaum einer tat dies so detailgetreu und realistisch wie Waldmüller. Er brachte das Salzkammergut, den Wienerwald oder den Prater in die Wohnzimmer der wohlhabenden Bürger. Nachdem er sich in den 1830ern intensiv diesen Naturbetrachtungen gewidmet hatte, entdeckte er auf einer Italienreise 1841 das Malen im direkten Sonnenlicht für sich – und brachte es auf der Leinwand zum Leuchten.
„Waldmüller ist einer, der alle anderen schlägt!“
„Waldmüller war einer der wenigen Künstler, die sich der Porträt-, Genre- und Landschaftsmalerei widmeten“, betont die Kuratorin. In den letzten Jahren seines Lebens ließ er all dies in seinen Gemälden verschmelzen. „Nachdem er dann ein wenig in Vergessenheit geraten war, entdeckten ihn die Wiener Sezessionisten wieder für sich.“ Der Schriftsteller Hermann Bahr brachte seine große Kunst auf den Punkt: „Das ist einer, der alle anderen schlägt: der alte Ferdinand Georg Waldmüller. Welche Kraft, welches Leben, welche Sonne! Der hat ja damals schon gewusst, was Licht ist, der hat damals schon gewusst, was Luft ist.“
Die Ausstellung im Unteren Belvedere lädt von 27. Februar bis 14. Juni ein, diese Kunst aus einem anderen Blickwinkel neu für sich zu entdecken. Die Sehnsucht nach der Natur, nach idyllischen Landschaften passt schließlich auch in unsere bewegten Zeiten.
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