Öffnet als Museum

Villa Beer: Neues Leben für Ikone der Baukunst

Kultur
04.03.2026 20:00

Ein Glücksfall für die Architektur der Moderne: Die Villa Beer in Wien Hietzing öffnet ab Sonntag perfekt saniert für Besucher als Museum. Ein Lokalaugenschein.

Das weiche Material des grünen, teils noch originalen Bodens, den man auf den Stiegen oder in den Kinderzimmern findet, verrät, womit das Geld für dieses Wiener Baudenkmal verdient wurde: Gummi. Julius Beer war Mitinhaber der Berson Kautschuk Gummisohlenfabrik. Seine Frau Margarethe war Pianistin und beide musikbegeistert.

Wahrzeichen der Moderne
1929 beauftragte Beer Josef Frank und Oskar Wlach, ein großzügiges Haus zu entwerfen, in dem Gäste auch zu musikalischen Soiréen empfangen werden konnten. Bis August 1930 entstand in der Hietzinger Wenzgasse 12 die viergeschossige Villa. Ein fast verfallenes Wahrzeichen der Wiener Moderne, das jetzt in frischer Pracht ab Sonntag offiziell zum Museumsstück wird. In der einstigen Garage wurde ein Besucherzentrum eingerichtet, von dem aus das Baudenkmal zu erkunden ist.

Villa Beer

  • Nur eineinhalb Jahre konnte die jüdische Familie Beer ihre Villa bewohnen. Anfang der 1930er-Jahre verlor Julius seine Stellung und hatte sich wohl mit dem Hausbau übernommen.
  • Bis 1937 durfte man die Villa vermieten, um die Kreditraten zu bedienen. Es zogen u. a. Richard Tauber, Jan Kiepura, Martha Eggerth und ihr Sekretär Marcel Prawy ein.
  • 1938 gelang den Beers die Flucht in die USA. Nur die leicht gehbehinderte Tochter durfte nicht einreisen und wurde 1941 im KZ ermordet.
  • Infos: villabeer.wien

Nachfühlen kann man dabei das Erlebnis, das die Gäste der Beers hatten, wenn sie durch eine kleine Türe in die großzügigen Wohnräume traten. Ein streng raffiniertes Spiel aus weißen Kubaturen und Glasflächen auf verschiedenen Niveaus, mit spektakulären Blicken in den Garten – und einer Diagonale, die durch die gesamte Breite sticht.

Aufwändige Rückführung
Mit elegantem Schwung verbindet eine Treppe die Galerie über dem Eingang, von der aus einst die Pianistin Margarete Beer ihre Gäste am Bösendorfer musikalisch erfreute, mit den Schlafzimmern. Sie liegen auf der Gartenseite, deren Fassade als Spiel aus Terrassen und Balkonen besticht. Die Sanierung und die Öffnung der Architekturikone sind Lothar Trierenberg zu danken, der die denkmalgeschützte Villa vor fünf Jahren gekauft und in eine Villa Beer Foundation eingebracht hat. Die Rückführung in den ursprünglichen Zustand erfolgte im Blick darauf, das Gebäude als museale Kostbarkeit öffentlich zu machen. Das Interesse ist enorm: An Wochenenden kann man noch Zeitkarten buchen, doch die Führungen sind ausverkauft.

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