„Reine Symbolpolitik“

Gesundheitsexperte zerlegt rote Wahlarzt-Pläne

Innenpolitik
04.03.2026 19:43

Gesundheitsministerin Korinna Schumann will Obergrenzen für Wahlarzt-Honorare einführen – und hat damit eine hitzige Debatte ausgelöst. Während Ärztekammer und Opposition Kritik üben, spricht Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer im „Krone“-Gespräch von „reiner Symbolpolitik“ und erklärt, warum Deutschland kein Vorbild sein kann.

Im „Krone“-Interview ließ Gesundheitsministerin Korinna Schumann mit ihrer Forderung nach Obergrenzen für Wahlarzthonorare aufhorchen. Während Kritik von der Ärztekammer, der SVS und der politischen Opposition auf sie einprasselte, stärkten ihr ÖGK und auch SPÖ-Parteichef Andreas Babler den Rücken. Doch auch Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer sieht den SPÖ-Vorschlag kritisch, wie er im „Krone“-Gespräch erklärt. Es handele sich um „reine Symbolpolitik“, so der Experte, der aktuell am EpiCenter der Medizin-Uni Innsbruck tätig ist. 

Dass das deutsche Modell von Schumann als Vorbild genannt wird, ist „wenig zielführend“, wie Pichlbauer meint. Denn das ganze deutsche System funktioniere anders: Bei unseren Nachbarn gibt es zwar einen Deckel für Wahlarzthonorare – sie dürfen maximal das 3,5-fache der Kassentarife verrechnen –, allerdings „gibt es dort keine Selbstverwaltung wie durch die Kammern in Österreich, sondern eine Bundesstelle, die dem Gesundheitsministerium untersteht“, erklärt Pichlbauer.

Das Standesrecht, also wer den Arztberuf ausüben darf und wer nicht, liegt in Österreich bei den Kammern, in Deutschland eben beim Staat: „Dadurch kann man solche Vorgaben auch umsetzen. Wenn das die Politik in Österreich auch machen will, muss diese Kompetenz davor den Kammern weggenommen werden“, so Pichlbauer.

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Die Politik glaubt, mit Verboten auf ein seit Jahrzehnten bekanntes Problem reagieren zu können – aber das ist falsch.

Ernest Pichlbauer, Gesundheitsökonom am EpiCenter der Medizin-Uni Innsbruck

Mehr Privatärzte durch Honorar-Deckel
Grundsätzlich hält Pichlbauer den Ansatz für verfehlt: „Die Politik glaubt, mit Verboten auf ein seit Jahrzehnten bekanntes Problem reagieren zu können – aber das ist falsch.“ Die Marktlogik sei eine andere. Wenn Wahlärzte stärker eingeschränkt würden, bestehe die Gefahr, dass viele von ihnen zu reinen Privatärzten werden. Deren Leistungen würden dann gar nicht mehr – auch nicht teilweise – von den Krankenkassen erstattet.

Auch die Nachfrage könnte steigen. „Wenn die finanzielle Schwelle noch niedriger wäre, würden noch mehr Menschen zum Wahlarzt gehen“, sagt Pichlbauer. Schon jetzt zählen Österreicher zu den häufigsten Arztbesuchern Europas. „Wir gehen im Schnitt 16- bis 17-mal pro Jahr zum Arzt.“

Ein durchschnittlicher Kassenhausarzt komme bereits jetzt auf rund 19.000 E-Card-Kontakte jährlich. Statt Preisdeckeln brauche es daher strukturelle Reformen: etwa klarere Leistungskataloge der Kassen, einheitliche Tarife und stärkere Anreize für Gesundheitsvorsorge.

3,5 Millionen Österreicher bereits privat zusatzversichert
Auch eine Liberalisierung bei der Werbung für Ärzte hält Pichlbauer für denkbar. „Wenn Ärzte stärker im Wettbewerb stehen, könnten die Preise sinken.“ Hinzu komme: Immer mehr Menschen sichern sich ohnehin privat ab. Rund 3,5 Millionen Österreicher haben bereits eine Zusatzversicherung. „Da reden wir längst nicht mehr nur von den reichsten fünf Prozent der Bevölkerung.“

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