Internetriese Google baut im oberösterreichischen Kronstorf sein erstes Rechenzentrum in Österreich. Nun warnt ein Experte: Mit Serverfarmen von US-Tech-Konzernen, auf denen unsere Daten liegen, machen wir uns abhängig.
Erstmals siedelt sich der Internetriese Google in Oberösterreich an: Wie berichtet, baut der US-Konzern in Kronstorf ein Rechenzentrum (siehe Infokasten unten). Viele jubeln angesichts der kolportierten Investitionssumme von 800 Millionen bis einer Milliarde Euro in den Wirtschaftsstandort.
Doch es gibt auch kritische Stimmen: „Google, Amazon und Microsoft sind die großen drei Betreiber von Rechenzentren, die drei Viertel des internationalen Marktes beherrschen“, sagt Alexander Windbichler, CEO des Internet-Providers Anexia und Interessenvertreter europäischer Cloud-Unternehmer. Damit machen wir uns, so die Bedenken, von diesen großen Konzernen abhängig – liegen doch viele unserer Daten in deren Rechenzentren.
Viele der Daten auf unseren Laptops und Handys werden nicht lokal auf den Geräten, sondern in der sogenannten Cloud gespeichert. Dahinter wiederum stehen Rechenzentren. Vorstellen kann man sich diese wie eine Ansammlung von Computern, auf denen unsere Daten liegen. Zugreifen können wir auf sie über das Internet.
„Sollten nicht ausschließlich auf die drei großen Betreiber setzen“
„Nur weil das Rechenzentrum physisch in Oberösterreich steht, heißt das nicht, dass Europa völlig souverän über die Daten verfügen kann“, sagt Windbichler. „Wenn Trump sagt: ,Schaltet alles ab!’, dann müssen die dort alles abschalten.“ Der Interessenvertreter plädiert für mehr europäische Rechenzentren: „Wir sollten nicht ausschließlich auf die drei großen Betreiber setzen. Wir übergeben ja auch nicht unsere ganzen Wasserleitungen an jemand anderen.“
Wir übergeben ja auch nicht unsere ganzen Wasserleitungen an jemand anderen.

Alexander Windbichler, CEO von Anexia
Bild: ALEX GOTTER
Windbichler – sein Unternehmen Anexia betreibt selbst mehr als 100 Rechenzentren in 70 Ländern – bringt noch einen Aspekt zum großen Strombedarf von Serverfarmen aufs Tapet: „Die Energie, die für das Rechenzentrum in Kronstorf reserviert ist, fehlt dann für andere heimische Unternehmen.“
Nicht das erste Rechenzentrum in OÖ
Das in Bau befindliche Rechenzentrum von Google ist übrigens nicht das einzige in Oberösterreich. Bereits seit 2018 steht in Ostermiething im Innviertel eine solche Serverfarm. Betrieben wird sie von einem europäischen Anbiete: von der deutschen Schwarz-Gruppe, dem Mutterkonzern der Lebensmittelkette Lidl.
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