Im Gastpatienten-Streit sorgt nun Bürgermeister Manfred Grill aus NÖ für Aufsehen: Aus Angst, in Wiens Spitälern im Krankheitsfall abzublitzen, wollen sich Zweitwohnsitzer in seiner Gemeinde nicht hauptmelden! „Das führt zu enormen finanziellen Einbußen für Gemeinden“, rechnet er 600.000 Euro Schaden alleine für seine Kommune vor.
Die Waldviertler Gemeinde Bad Großpertholz hat derzeit rund 1300 Hauptwohnsitzer und 550 Zweitwohnsitzer. Weil die Kommune für den Hauptwohnsitzer pro Jahr um die 1200 Euro bekommt, für den Nebenwohnsitzer aber nichts, wollte Bürgermeister Manfred Grill seine Bürger mit einem persönlichen Schreiben dazu motivieren, den Hauptwohnsitz im Waldviertel anzumelden.
Kein Niederösterreicher aus Angst
Die Antworten schockierten den SPÖ-Ortschef, der bei der letzten Wahl eine Zweidrittel einfahren konnte: „Etwa die Hälfte der Angeschriebenen teilte mit, dass fehlende medizinische Versorgung sie davon abhalte, Bad Großpertholzer zu werden“, betont Grill. Die Angst vor der Abweisung in einem Wiener – und auch in einem oberösterreichischen – Spital, und die geplante Schließung des Landesklinikums Gmünd schädige damit die Gemeinden massiv.
Alleine in seiner kleinen Gemeinde würden 500 Hauptwohnsitzern à 1200 Euro etwa 600.000 Euro mehr an Jahreseinnahmen bedeuten! „Das sind finanzielle Schäden, die den Gemeinden blühen, in deren Region die medizinische Infrastruktur maßgeblich abgebaut wird“, betont der Ortschef, der sich selbst stark in mehreren Initiativen für den Erhalt des Krankenhauses Gmünd einsetzt.
Die Zentralisierung in der Medizin führt zu enormen finanziellen Schäden der ohnehin benachteiligten Waldviertler Gemeinden. Was wird als Nächstes zusperren!?

Bürgermeister Manfred Grill
Bild: Gemeinde Bad Großpertholz
„Kirchturm-Denken“ bei Spitälern und Fachärzten
Es sei aber komplett egal, ob es um Wiener Spitäler oder um Fachärzte gehe: Viele Einrichtungen und Mediziner würden Patienten aus anderen Regionen ablehnen, höre er immer wieder von den Bürgern. Mitunter gehe es da nicht nur um Landes-, sondern sogar schon um Bezirksgrenzen. „Dieses zunehmende Kirchturm-Denken in der Gesundheitslandschaft ist katastrophal. In einer Zeit, in der die medizinische Infrastruktur stark spezialisiert und zentralisiert wird, zerstört das unser System komplett!“, äußert Grill Kritik sowohl an der Wiener Gastpatienten-Blockade als auch am NÖ-Gesundheitspakt.
Zweitwohnsitzerabgabe für NÖ gefordert
Zudem fordert er, auch in Niederösterreich die Einhebung einer Zweitwohnsitzerabgabe, damit die gravierenden finanziellen Einbußen der Gemeinden etwas abgefedert werden: „Denn Gastpatienten-Streit und Strukturabbau werden den Trend zu Zweitwohnsitzen noch weiter befeuern!“
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