Road/Street Glide Ltd.

So beeindrucken Harley-Davidsons dicke Supertourer

Motor
03.03.2026 04:00

Bei der einen bewegt man gefühlt eine Schrankwand vor sich her, die andere erinnert an Bender aus der Serie Futurama – die Rede ist von der Street Glide und der Road Glide von Harley-Davidson. Beide fahren sich geschmeidiger, als man glauben möchte – und wurden nun mit einer Limited-Version veredelt.

Veredelt? Vielleicht sogar vollendet. Groß, mächtig, schwer und vor allem edel und extrem gut ausgestattet, so treten die beiden „Grand American Tourer“ im Modelljahr 2026 an gegen – ja, gegen wen eigentlich? „Harley-Davidson konkurriert nicht mit anderen Motorradmarken, sondern eher mit teuren Uhren und anderen Luxusartikeln“, sagte ein Sprecher bei der Fahrvorstellung in Spanien.

Harley-Davidson Road Glide
Harley-Davidson Road Glide(Bild: Harley-Davidson)

Nachvollziehbar, wobei sich anderer Luxus und die Harleys eher ergänzen als ausschließen. Was spricht gegen eine Rolex unterm Motorradhandschuh? Oder gegen eine Louis-Vuitton-Tasche im Topcase?

Womit wir auch schon beim Thema sind: Das „Grand Tour-Pak“ genannte Topcase ist brandneu und Teil der Limited-Ausstattung. Es fasst 68 Liter und ist so groß, dass locker zwei Vollvisierhelme reinpassen, auch eine 12-Volt-Buchse ist drin (kein USB). Der Deckel klappt weit zur Seite auf und wird von einem Band gehalten, das sich selbst aufrollt. Obendrauf gibt es noch einen serienmäßigen Chrom-Gepäckträger. Sehr edel, vor allem wegen des coolen LED-Streifens, der ein zusätzliches Rück- und Bremslicht darstellt.

(Bild: ISRAEL GARDYN)
(Bild: ISRAEL GARDYN)

Die Seitenkoffer sind generell (auch im Basismodell) serienmäßig und lassen sich dank maßgeschneiderter Innentaschen (von Harley, nicht Louis Vuitton) leicht beladen. Sie fassen zusammen weitere 68 Liter. Macht also insgesamt 136 Liter. Nicht 144 Liter, wie man überall liest. Bei dem höheren Wert hat Harley-Davidson die zusätzlichen kleinen Staufächer in der Frontverkleidung hinzugerechnet.

Unterschiede zwischen Road und Street Glide
Zwar konkurrieren Harleys Road und Street Glide nicht mit anderen Marken, sehr wohl aber miteinander. Bevor wir zu weiteren Details kommen, hier also zunächst eine kleine Aufklärung darüber, was was ist. Technisch unterscheiden sich die beiden genau gar nicht. Sogar die Sitzhöhe ist mit 74 Zentimeter identisch. Der Hauptunterschied liegt an der Verkleidung (im doppelten Sinn) und am Lenker.

Augenscheinlich ist: Die Street Glide hat einen Rundscheinwerfer, die Frontverkleidung ist lenkerfest montiert, bewegt sich also beim Einschlagen mit, die Lenkerenden ragen praktisch aus ihr heraus. Die Rückspiegel sind integriert.

Die Road Glide hat die auffällige Verkleidung in Shark-Nose-Optik mit dem breiten „Bender“-Scheinwerfer. Sie ragt viel weiter nach vorn als die der Street Glide, weil Platz dafür geschaffen werden musste, dass der Lenker sich frei bewegen kann. Der ist sehr weit nach oben gezogen (und trägt klassische Rückspiegel), was für eine grundlegend andere Sitzposition sorgt. Ihre Scheibe ist höher als die der Street Glide. Bei beiden Limited-Modellen ist sie gut zehn Zentimeter höher als bei den Standard-Glides.

Harley Davidson Road Glide
Harley Davidson Road Glide(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)

Beide haben eine verstellbare Luftführung unter der Scheibe sowie zwei je 4,5 Liter große Staufächer in den Beinschildern; die Road Glide noch zwei weitere, kleinere Fächer, eines davon mit USB-Anschluss.

Neu mit Modelljahr 2026 sind auch die senkrechten Zusatzscheinwerfer, die einen zusätzlichen stylisch-modernen Touch geben.

Auch mit Schrankwand handlebar
Es ist schon respekteinflößend, wenn man auf der Street Glide sitzt und diese Wand mit dem Lenker mitbewegt (die von der Fahrerposition mächtiger wirkt als von außen). Ja, es kommt der Gedanke an eine Schrankwand auf, die man die ganze Zeit trägt, inklusive zwei integrierten Spiegeln und einem Flachbildfernseher. In Wahrheit ist auch die Couch integriert, bzw. zwei getrennt beheizbare Sessel und eine komfortable Lehne für die Sozia, die jetzt sogar noch mehr Platz hat als früher.

Harley-Davidson Street Glide Limited
Harley-Davidson Street Glide Limited(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)
(Bild: Harley-Davidson)

Das alles braucht ein bisschen Eingewöhnungszeit, wenn man sich bisher eher mit Uhren (oder vielleicht doch weniger imposanten Motorrädern) beschäftigt hat. Und doch fahren sich beide Harleys beinahe spielerisch, wenn man das Selbstvertrauen erst wieder zurückgewonnen hat. Eine wirklich gravierende Beeinträchtigung stellt auch die lenkerfeste Verkleidung nicht dar, wahrscheinlich weil der niedrigere Lenker ein direkteres Gefühl vermittelt.

Ein Wort zum Flachbildfernseher
Der integrierte 12,3-Zoll-Touchscreen ist eigentlich ein eigenes Kapitel wert. Riesig, gestochen scharf und hervorragend ablesbar – wahrscheinlich das Beste und Opulenteste, was man derzeit bekommen kann. Wenn man ein Headset verbunden hat, kann man darauf sogar Apple CarPlay (nicht AndroidAuto!) laufen lassen. Auch sonst ist die Menüführung erlernbar. Angesichts der vielen Funktionen sollte man sich dafür im Stand ein bisschen Zeit nehmen. Auch die Knöpfe an den Lenkerenden hinterlassen einen wertigen Eindruck, man muss also nicht zwingend touchen.

(Bild: ISRAEL GARDYN)
(Bild: ISRAEL GARDYN)
(Bild: ISRAEL GARDYN)
(Bild: ISRAEL GARDYN)

„Schiffsdiesel“ jetzt mit variabler Ventilsteuerung VVT
Beide werden angetrieben vom 1923 ccm großen, Milwaukee Eight VVT 117 genannten V2, der überschaubare 109 PS leistet, aber dampfhammereske 175 Nm bei 3500/min loslässt. Das Kürzel VVT im Namen verweist auf die variable Ventilsteuerung, die von den noch hubraumstärkeren CVO-Topmodellen nach unten weitergereicht wurde. Die Leistungsdaten ändern sich (im Gegensatz zu den CVO-Bikes) nicht, es soll sich lediglich die Leistungsentfaltung verbessert haben, außerdem soll der Verbrauch um zwei bis drei Prozent sinken. Kollegen, die (im Gegensatz zu mir) den M8 117 ohne VVT kennen, berichten von keinen auffälligen Unterschieden.

Tatsache ist, dass das Triebwerk mit ungeheurer Macht souverän und bärenstark von unten herauszieht und die Fuhre wie auf einer Welle vor sich herschiebt, untermalt von herrlichen Klängen aus den ellenlangen Chromrohren. Die verbesserte Stereoanlage habe ich nicht einmal ausprobiert. Persönlich sind laut Musik verbreitende Motorräder eh nichts für mich. Aber jeder, wie er mag.

Die Zusatzscheinwerfer sind serienmäßig auf den beiden Limited-Modellen.
Die Zusatzscheinwerfer sind serienmäßig auf den beiden Limited-Modellen.(Bild: ISRAEL GARDYN)

Geht auch fahrdynamisch was?
Auch wenn es eine eigene Rennserie für die Dickschiffe gibt (der Harley-Davidson Bagger World Cup wird im Rahmenprogramm der MotoGP ausgetragen): Das Metier der Glides ist Gleiten, nicht Racen. Was nicht heißt, dass man mit ihnen nicht schnell fahren kann, oder nur geradeaus. Die Schräglagenfreiheit ist halt ein Thema. Aber wer es wirklich ernst meint, sollte das Öhlins-Fahrwerk samt Brembo-Bremsen mitbestellen – auch wenn man für die rund 8000 Euro extra vielleicht eine Rolex verkaufen muss.

Das Fahrwerk (117 mm Federweg vorn, 76 mm hinten) ist teilweise einstellbar – per Handrad für die Vorspannung hinten links. Zuvor sollte man am rechten Federbein mit etwas mehr Aufwand die Grundabstimmung dauerhaft einstellen.

Natürlich ist das Gewicht ein Thema: 405 kg (Street Glide) und 417 kg (Road Glide) bringen die beiden fahrfertig auf die Waage, wobei sie schon ein wenig abgespeckt haben. Gerade beim Rangieren sollte man nicht allzu ungeschickt sein und losen Untergrund wird man dabei auch eher meiden. In Fahrt ergibt sich aber der gleiche Effekt wie bei Walen oder Robben, die unfassbar elegant und geschmeidig durchs Wasser gleiten.

Wasser ist ein eher nicht so gutes Thema für diese beiden Harleys – denn mit ihren Dunlop-Erstausrüstungsreifen sollte man nasse Straßen tunlichst vermeiden. Bei den Testfahrten in Spanien sind wir ordentlich ins Rutschen geraten, und das bei vorsichtigster Fahrweise. Ein Schweizer Kollege ist deshalb sogar im Graben gelandet.

Vielleicht hätte er doch den Regenmodus anwählen sollen, denn Anlass für den Abflug war das, was man gemeinhin als Highsider bezeichnet und eher von der Rennstrecke oder (zu) forschen Landstraßenfahrten kennt. Neben Rain gibt es auch noch Road, Sport und den einstellbaren Custom-Modus.

Die Preise
Road Glide Limited und Street Glide Limited sind jeweils ab 42.900 Euro erhältlich, was 2600 Euro Aufpreis für die Limited-Ausstattung bedeutet, die u.a. Topcase, Doppelsitzheizung, Navi und die höhere Scheibe beinhaltet.

Mit an Bord sind auch Tempomat sowie das kurvensensible Paket aus ABS, Schlupfkontrolle und Schleppmomentregelung sowie Berganfahrhilfe. Das Soundsystem verfügt über einen Vier-Kanal-Verstärker mit 200 Watt und einer Nennleistung von 50 Watt pro Kanal – doppelt so stark wie früher.

Fahrzit:
Der Umgang mit einer Rolex ist sicher leichter als der mit diesen „Grand American Touring“-Modellen – macht aber deutlich weniger Spaß. Es ist ein Genuss, auf diesen Sofas zu thronen und durch die Gegend zu gleiten, gerne auch leicht zügig durch die Kurven, auf jeden Fall aber auf langen Strecken sehr entspannt (solange es trocken ist). Auf großen Touren eben. Das ist echter Luxus auf zwei Rädern.

Warum?
Weil es vielleicht schon immer ein Traum war, so etwas zu besitzen
Weil die Garage zu klein ist, um noch ein weiteres Auto drin zu parken

Warum nicht?
Angst vor der schieren Masse
Auf Nässe miserable Bereifung

Oder vielleicht …
… doch gleich ganz oben zugreifen? Die CVO-Modelle kosten 59.900 Euro

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