Autolenker vor Gericht

Duell mit Lanze: Streit in Waschanlage eskalierte

Steiermark
03.03.2026 06:43

Sie waren keine Ritter in glänzender Rüstung am Pferd, sondern zwei Autolenker mit schmutzigen Kleinwagen in einer Waschbox. Zum Duell mit der (Hochdruck-)Lanze kam es dennoch. Das Kräftemessen fand nun vor Gericht in Graz seinen Höhepunkt.

Es geschah, was schon vielen passiert ist: Man wartet geduldig vor der Waschanlage, dass eine Box frei wird. Als es endlich so weit ist, taucht aus dem Nichts ein Wagen, in dem Fall ein BMW, auf und nimmt einem den Platz weg. „Ich wollte mein Auto waschen, sehe, dass eine Box frei wird, hab‘ reversiert und bin hineingefahren“, schildert der Diplomingenieur aus dem Bezirk Graz-Umgebung Richter Andreas Rom. „Da kommt der plötzlich sehr aggressiv auf mich zu.“

Mit „der“ ist der mitangeklagte Pensionist aus Graz gemeint. „Ich habe schon 25 Minuten auf einen freien Platz gewartet.“ – „Das Warten ist ja auch nicht strafbar, nur aufreibend“, schmunzelt der Richter. „Wenn ich gewusst hätte, was daraus wird ...“, seufzt der 63-Jährige. „Dabei wollte ich nur mein Auto waschen, aber er hat mir die Lanze entrissen.“ – „Wie wollten Sie ihr Auto waschen, wenn da ein anderer drinsteht?“, fragt der Richter. 

„Er war sehr unhöflich“, erzählt der Pensionist unbeeindruckt weiter. „Er nahm mich in den Schwitzkasten und hat mich geschlagen. Das war nicht korrekt. Dabei habe ich nur mit dem Zeigefinger auf ihn gezeigt.“ – „Wenn Sie das wirklich glauben, sollten Sie Ihre Augen untersuchen lassen“, betont der Vorsitzende.

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Selten sind wir in der glücklichen Lage, eine Videoaufzeichnung zu haben.

Ein Verteidiger

„Aufregende Situation“ auf Video gebannt
Er führt das Video vor, das das hoch spannende Duell um die Waschlanze minutiös aufzeichnete, mit jedem Schlag und jeder Geste. „Die Situation war sehr aufregend, für beide offenbar“, sagt einer der Verteidiger. „Aber selten sind wir in der glücklichen Lage, eine Videoaufzeichnung zu haben“, ergänzt sein Kollege. 

„Ich hab‘ mich nur gewehrt“, beteuert der 47-jährige Kontrahent. „Sehen Sie“, sagt er zum Richter, „er schupft mich gegen den Münzautomaten und hat mich meiner Freiheit beraubt. Ich habe Angst bekommen.“ – „Bleiben wir bei der Wahrheit“, ermahnt der Richter und lässt das Video weiterlaufen, in dem sich das Duell zuspitzt, bis der Diplomingenieur in die Tankstelle geht und die Polizei holen lässt.

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Ihnen ist das Streusalz auf Ihren Autos offenbar zu Kopf gestiegen.

Richter Andreas Rom

Angeklagte sahen Schuld ein
Beide Angeklagten wurden verletzt, der Pensionist rechtlich gesehen sogar schwer. „Ihnen ist das Streusalz auf Ihren Autos offenbar zu Kopf gestiegen“, wundert sich der Richter nicht nur einmal in dem Prozess. Nach einer motivierenden „Waschbelehrung“ durch den Vorsitzenden und mit ein bisschen Unterstützung durch die Verteidiger sieht das Duo dann doch noch irgendwie das jeweilige Fehlverhalten ein.

Somit kommen die Ritter ohne Verurteilung davon. 1850 Euro Geldbuße plus 1000 Euro Schmerzensgeld muss der jüngere Heißläufer zahlen, 810 Euro plus 100 Euro Schmerzensgeld macht die Rechnung für den Pensionisten aus; nicht rechtskräftig. „Wenn man sich ausrechnet, was das alles kostet, hätten Sie Ihr Auto sehr lange privat waschen lassen können“, gibt ihnen der Richter zum Schluss mit auf den Heimweg.

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