Dieses Auto werden Sie auf österreichischen Straßen wohl noch nicht gesehen haben – aber das wird sich ändern: Der 02 ist eines der beiden Modelle, mit denen die Marke Lynk & Co nun in Österreich startet. So unbekannt der Name, so bekannt die Technik: Er teilt sich die Plattform mit dem Volvo EX30.
Lynk & Co gehört wie Volvo und Polestar zum chinesischen Geely-Konzern und hat ein Design- und Entwicklungszentrum in Göteborg. Und diesen Europa-Bezug merkt man dem Lynk & Co 02 auch an, obwohl er in China gebaut wird.
Im Vergleich zum Volvo ist er deutlich größer und praktischer. Auf der Rückbank herrschen angesichts 4,46 Meter Länge und 2,76 Meter Radstand geradezu opulente Platzverhältnisse, in den variablen Kofferraum hinter der immer elektrisch bedienten Klappe passen 410 Liter Gepäck. Umklappen der 60:40 geteilten Lehnen ergibt eine fast plane Ladefläche. Beim Wiederaufstellen droht aber Gurtquetschung. Der 15 Liter große Frunk reicht fürs Ladekabel.
Statt des bei Volvo üblichen eleganten Auftritts setzt Lynk & Co auf „aerodramatisches Design“ mit auffälligen Tagfahrlichtern und einem Heckspoiler, in den die Leuchten samt durchgehendem Lichtband integriert sind.
Das Interieur ist recht nüchtern gestaltet, die Materialien sind oben herum durchaus wertig, in unteren Bereichen wird hartes Plastik verwendet. Positiv: kein Klavierlack. Spürbar billig wirkt das Fach in der Mittelkonsole: Hier gibt es eine verschiebbare Plastikschale, die bei Berührung vernehmlich klappert. Abgedeckt wird das Ganze mit einem magnetischen Faltdeckel, der zwar cool aussieht, aber unhandlich ist.
Die Spiegel werden mit einer analogen Einheit vor den Fensterhebern eingestellt, auch am Lenkrad gibt es echte Tasten sowie zwei praktische Joysticks. Alles andere wird über den 15,4 Zoll großen Touchscreen bedient, an dem man sogar für viele Alltagstätigkeiten wie das Einschalten von Fahrlicht oder Nebelschlussleuchte tief ins Menü abtauchen muss.
Was unter anderem fehlt, ist ein Schnellzugriff auf die lästigen, teilweise vorgeschriebenen Assistenzsysteme. Wer sich nicht von Spurhalter, Limitwarner und Aufmerksamkeitswarner nerven lassen will, muss insgesamt mindestens elfmal auf den Bildschirm tippen, wenn er erst einmal auf der Assistenz-Übersichtsseite gelandet ist. Bei jedem Neustart aktiv ist sogar der Piepser, der die Änderung eines Tempolimits ankündigt (unabhängig vom Limit an sich). Man muss nicht dazusagen, dass das Tempolimit in vielen Fällen grundfalsch angezeigt wird; mehrmals stand im Ortsgebiet Tempo 100 als angeblich geltendes Limit am 10,2-Zoll-Tachoscreen.
Auch die sinnvollen Assistenten sind immer serienmäßig, von der Auto-Notbremse über den Querverkehrswarner bis zum Reifendruckmesser (auch wenn der im Testwagen nicht funktioniert hat).
Antrieb und Akku
Angetrieben wird der Lynk 02 grundsätzlich von einem 200 kW/272 PS starken Elektromotor an der Hinterachse, der von einem 66 kWh großen Akku (netto 62 kWh) gespeist wird. Der kostet im Volvo EX30 einige Tausend Euro Aufpreis, im Lynk 02 bekommt man quasi die deutlich bessere Technik zum Preis der Brot-und-Butter-Ausstattung.
Die volle Motorleistung wird nur im Sportmodus abgerufen, sodass der 02 im Alltag zwar nicht lahm, aber auch nicht ganz so spritzig ist, wie das die Leistungsangabe bei einem Leergewicht von 1,8 Tonnen vermuten lassen würde. Sportliche 5,5 Sekunden von 0 auf 100 sind aber möglich, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.
Der Akku verspricht eine WLTP-Reichweite von 445 Kilometern und lässt sich mit bis zu 150 kW in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Wechselstrom zieht er in der Ausstattung Core mit 11 kW, in der Ausstattung More mit 22 kW.
In der Realität betrug der Durchschnittsverbrauch laut Bordcomputer 26 kWh/100 km, was eine Gesamtreichweite von 240 Kilometer bedeutet. Allerdings wies der Bordcomputer einen 25-prozentigen Anteil für die Klimatisierung aus, womit der reine Antriebsverbrauch bei 19,5 kWh/100 km lag, die Reichweite also bei 320 km (WLTP: 17,1 kWh/100 km inkl. Ladeverluste).
So fährt er sich
Prinzipiell fällt auf, dass es im Innenraum während der Fahrt sehr leise zugeht (nach dem Abschalten der Assistenten, sonst piepst dauernd irgendetwas). Das Fahrwerk ist nicht unkomfortabel, aber auch nicht sportlich. Die Dämpfer sind eher weich und lassen den Aufbau auf starken Bodenwellen deutlich nachschwingen. Beim schnellen Ausweichen wankt das Auto spürbar. Eine Sänfte ist der Lynk 02 dennoch nicht. Das Fahrwerk ist im besten Sinne unauffällig.
Die Lenkung ist auch in der härtesten der drei Lenkwiderstandsstufen leichtgängig und vermittelt nicht besonders viel Gefühl für die Fahrbahn, wirkt aber verbindlicher als in manch anderem chinesischen Auto.
Die Rekuperation wird umständlich im Menü eingestellt. Es gibt nur mittel, stark und One-Pedal-Drive. Geringe Rekuperation oder segeln gibt’s nicht. Das Bremspedalgefühl ist okay, man merkt praktisch nichts vom Überblenden zwischen Bremse und Generator. Nur sauberes, ruckfreies Anhalten ist nicht so leicht.
Wenn man die Assistenten mal abgeschaltet hat und sich an die Bedienung gewöhnt hat, ist der Umgang mit dem Lynk 02 durchaus angenehm. Der Autopilot funktioniert recht gut, und zwar bis Tempo 150, und seine Bedienung ist übers Lenkrad ein Kinderspiel, ebenso das Einstellen des Abstands. Allerdings bremst er ziemlich früh ziemlich defensiv herunter, wenn man auf ein langsameres Auto aufläuft.
Ein paar Schrullen hat er auch
Die Ambientebeleuchtung am Armaturenbrett stellt auch einen Laufblinker dar. Das Blinkergeräusch kommt dazu jeweils passend von links oder rechts. Aber: Wenn das Auto glaubt, vor irgendetwas warnen zu müssen, hört das Klicken auf. Das ist irritierend. Der Laufblinker bleibt aber.
Wirklich schrullig ist das Navi. Wenn man über eine Bundeslandgrenze fährt, sagt es so etwas wie „Einreise nach Niederösterreich“ oder „Einreise nach Wien“. Theoretisch könnte man auch über Google Maps navigieren, zumal es eh keine Laderoutenplanung gibt, aber Apple CarPlay ist so ein Thema. Es ist zwar theoretisch an Bord, aber das Handy lässt sich nicht verbinden. Der Fehler ist schon länger bekannt und soll gelöst werden. Wann, hat man mir aber nicht sagen können.
Ausstattung: Sehr viel für wenig
Was die Ausstattung betrifft, ist alles sehr einfach bei Lynk & Co: Es gibt nur zwei Ausstattungslinien namens Core und More. Beide sind ziemlich komplett bis hin zum Metalliclack. Ein Unterschied ist, dass More zum variablen Lufteinlass auch noch eine Wärmepumpe hat. Deshalb ist der Verbrauch etwas geringer und die Reichweite etwas höher, trotz 20 statt 19 Zoll großen Rädern. Außerdem hat der 02 More eine Harman-Kardon-Soundanlage und den 22 kW-Lader. Preise für Österreich wurden noch nicht genannt. In Deutschland kostet der Core 36.000 Euro, der More 40.000 Euro. Einzige aufpreispflichtige Option ist die Anhängerkupplung (1,6 Tonnen Zuladung).
Fahrzit
Die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig, ansonsten bietet der Lynk & Co 02 sehr viel Auto und Ausstattung fürs Geld. Vor allem im Vergleich mit seinem Bruder Volvo EX30 ist der Preis eine absolute Kampfansage, zudem ist der 02 sogar eine Klasse größer als der EX30.
Finden wird man die Marke bei Volvo-Händlern, was durchaus ein gutes Renommee ist. Die Plattform ist ausgereift, wenn auch nicht mehr die allerfrischeste und reichweitenstärkste, aber es fühlt sich alles solide an und der Lynk 02 fährt sich auch ganz gut. Das Holprigste ist noch der Markenname - und das spricht wiederum durchaus für das Auto.
Warum?
Sehr viel Auto fürs Geld
Gutes Platzangebot
Warum nicht?
Teils gewöhnungsbedürftige Bedienung
Oder vielleicht …
… VW ID.4, Volvo EX30, Smart #3, Hyundai Kona Elektro, Peugeot e-3008
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