Neujahrskonzert 2026

Orchester & Dirigent: Liebe auf den zweiten Blick

Kultur
30.12.2025 05:52

Vor dem musikalischen Großereignis: Von „größter Ehre“ schwärmt der Dirigent des Neujahrskonzerts Yannick Nézet-Séguin. Die Wiener Philharmoniker freuen sich über einen neuen Lieblingsmaestro.

Beim Neujahrskonzert geht es um langjährige Beziehungen zum Orchester“, bemerkte Yannick Nézet-Séguin soeben im „Krone“-Interview.

Mit der Beziehung zwischen dem kanadischen Weltklasse-Dirigenten und dem Wiener Meisterorchester hat es jedenfalls gedauert. Das erzählt Orchestervorstand Daniel Froschauer bei der diesmal besonders launigen Pressekonferenz im Vorfeld des Großereignisses: „2010 kam er das erste Mal zu uns, bei der Mozartwoche. 2011 gingen wir auf kleine Tournee. 2015 trafen wir uns wieder. Wir wussten, dass er ein großartiger, faszinierender Dirigent ist, aber der Funke war noch nicht übergesprungen.“

In New York fehlte plötzlich der Dirigent 
Als Froschauer Philharmoniker-Vorstand wurde, reiste er mit Geschäftsführer Michael Bladerer sogar extra nach Philadelphia, wo Nézet-Séguin Musikdirektor ist, um den Kontakt aufzufrischen – ohne jedoch Konzerte zu fixieren.

Die große Stunde schlug dann bei der Philharmoniker Woche in New York im Februar 2022. Der vorgesehen Putin-Intimus Valery Gergiev war durch den Angriff auf die Ukraine plötzlich abhandengekommen. Man stand ohne Dirigent vor den drei Konzerten in der Carnegie Hall. Weder Riccardo Muti noch Franz Welser-Möst hatten Zeit.

Yannick Nézet-Séguin war zwar in der Stadt, steckte mitten in den Proben für den fünfstündigen französischen „Don Carlos“. Die Philharmoniker waren verzweifelt, erinnert sich Froschauer, doch dann kam der rettende Anruf: „Ich mache es, übernehme ohne Programmänderung. Habe aber nur wenig Zeit für Proben“, erinnert sich Froschauer.

Beim ersten Konzert sprang der Funke endlich und triumphal über, Yannick Nézet-Séguin wurde für das Schönbrunner Sommernachtskonzert eingeladen.

Yannick Nézet-Séguin probt mit den Wiener Philharmonikern.
Yannick Nézet-Séguin probt mit den Wiener Philharmonikern.(Bild: APA/MAX SLOVENCIK)

Dirigenten-Outfit passt zum Blumenschmuck
Das zeigte, dass der Kanadier auch „medial funktioniert“, also im TV gut rüberkommt. Nach dem Konzert gingen Forschauer und Bladerer in die Garderobe und fragten: „Was machen Sie am 1. Jänner 2026?“ Yannick Nézet-Séguin lächelte: „Es ist für jeden Dirigenten die größte Ehre, für dieses Konzert angefragt zu werden“, freut er sich auf die bevorstehende Premiere zu Neujahr. Und ist freudig berührt, in diesen aus allen Teilen der Erde gespeisten Wiener Musikkosmos einzutauchen.

Vor allem in seinen Lieblingswalzer „Rosen aus dem Süden“ von Johann Strauss, während Froschauers Favorit die „Friedenspalmen“ von Josef Strauss sind – auch der von „meinem Ehemann Pierre“, wie der Dirigent verrät. Sein Mann hat auch seine Garderobe fürs Konzert ausgesucht: „Perfekt auf den Blumenschmuck abgestimmt“, verrät Yannick Nézet-Séguin. Man darf gespannt sein.

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