Wiener Staatsoper

Romantische Opernperle unterm schönen Regenbogen

Kritik
15.05.2026 18:00

Der Opernschreck bleibt zahm: Ersan Mondtags Inszenierung von Bizets „Die Perlenfischer“ („Les pêcheurs de perles“) unterhält musikalisch erfreulich in farbenfröhlicher Verpackung.

kmm

Hausherr Bogdan Roščić selbst spricht die Durchsage, um die Besucher zum Ladenschluss aus dem Modehaus „Carmen“ zu schicken. Dazu tönt Bizets gleichnamiger einziger Opern-Schlager vom Band. Ein netter Gag am Beginn des zweiten Akts der noch nie an der Wiener Staatsoper gespielten „Perlenfischer“. Doch versuchen trotzdem ein paar Wildentschlossene, einen Skandal herbeizubuhen. Gelingt ihnen nicht. Dafür ist dieser Opernabend viel zu nett.

Wie im „Krone“-Interview angekündigt, gelingt dem gerne als Opernschreck gehandelten Ersan Mondtag bei seinem Staatsoperndebüt tatsächlich eine „sehr konventionelle Arbeit“.

Dass er dabei die titelgebenden Fischer statt Perlen tauchen lieber im Billiglohnland – die Oper spielt in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka – Luxus-Stoffe färben lässt, geht sich auch aus. Ausbeuterei bleibt beides – und die Modemall als (Konsum-) Tempel liegt auf der Hand. Außerdem: Im Dreiecksliebesdrama zwischen Nadir und Zurga und der Tempelpriesterin Leïla bleibt dieser Hauch Sozialkritik ohnehin unbemerkt.

Riesige Über-Leïla, Stürme im Shopping-Center
Die von Mondtag selbst entworfene Marmor-Mall mit monströsen Rolltreppen, die wohl von den Wiener Linien eingebaut wurden, weil sie nicht fahren, macht was her. Und wenn das Wachpersonal darin vom stürmischen Meer singt, denkt man eben einfach metaphorisch.

Ludovic Tézier begeistert als Zurga.
Ludovic Tézier begeistert als Zurga.(Bild: Wiener Staatsoper/Michael Poehn)

Auch die Farbbecken im ersten Akt machen Effekt. Erst recht die große Kleiderpuppe, die angezogen wie eine Über-Leïla auf ihre beiden Verehrer Zurga und Nadir herabschaut. Leïla selbst erscheint als Hohepriesterin der Haute Couture von einer Security-Entourage begleitet, die in Mondtags Designs so kunterbunt kracht wie Oskar Schlemmers Triadisches Ballett auf LSD. Die Personenführung bleibt dazu beruhigend unaufgeregt, ja geradezu liebevoll, wie in einem Repertoire-„Liebestrank“.

Das musikalische Fazit kann sich hören lassen: Juan Diego Flórez ist ein hocheleganter Nadir. Kristina Mkhitaryan veredelt ihre Leïla mit sympathisch lebensnahem Sopranglanz. Und Ludovic Tézier weiß sie alle mit seinem nobel volltönenden Zurga zu überstrahlen.

Auf derselben Höhe begeistert auch der blendend einstudierte Staatsopernchor. Er wird ebenso gefeiert wie das Orchester, das unter Daniele Rustionis souveräner Führung lyrisch feinen Glanz verströmt, wenn auch (noch) ein wenig zurückhaltend befeuert.

Die schon nach der Pause Wildentschlossenen schlugen dann glücklich am Ende bei Ersan Mondtag zu. Sei es drum. Wobei: Falls es wahr wird und er den neuen Wiener „Ring“ inszeniert, darf er die intellektuelle Regie-Schraube gerne noch anziehen. Sonst stehen dann womöglich Pezi als Schmied Mime und Dagobert („Bussi, Bussi“) als Drache Fafner in Wagners Welt herum

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung