In Memoriam

VALIE EXPORT lässt weiterhin die Würfel fallen

Oberösterreich
15.05.2026 14:30

Am Donnerstag verstarb unerwartet die große österreichische Künstlerin VALIE EXPORT im Alter von 85 Jahren – wir haben darüber ausführlich berichtet. In ihrer Heimatstadt Linz bleibt die Ikone des Aktionismus und Feminismus ständig präsent – und man plant eine Ausstellung.

VALIE EXPORT galt als Pionierin im Bereich der Aktions- und Medienkunst, sie ist mit ihren Werken in vielen Museen auf der ganzen Welt präsent.

Sie stammte aus Linz, lebte in Wien. Die „Krone Oberösterreich“ führte noch im Vorjahr ein ausführliches Interview mit EXPORT anlässlich ihres 85. Geburtstags. Treffpunkt war ihr Studio am Franz-Josefs-Kai im ersten Bezirk. Künftig wird sich übrigens eine Stiftung um das Werk der Künstlerin kümmern – und auch Linzer Institutionen.

In „Frauenhaushalt“ aufgewachsen
VALIE EXPORT wurde am 17. Mai 1940 in Linz als Waltraud Lehner geboren und wuchs in einem reinen Frauenhaushalt auf. Ihre Mutter, eine Kriegswitwe, ermöglichte ihren drei Töchtern eine Ausbildung – mit dem Ziel, finanziell unabhängig zu sein. Diese Haltung prägte EXPORT nachhaltig und spiegelt sich in ihrem Werk wider.

Nach der Klosterschule besuchte sie die Kunstgewerbeschule in Linz, bekam mit 18 ein Kind und heiratete. Doch sie brach bald mit dieser bürgerlichen Existenz und fand Anschluss an avantgardistische Künstlerkreise.

Rückkehr durch Vorlass
Ihrer Geburts- und Heimatstadt Linz war EXPORT seit dem Ankauf ihres Vorlasses im Jahr 2015 wieder eng verbunden.

Forschungszentrum in der Tabakfabrik
„Wir sind glücklich, dass wir durch den Vorlass in der Lage sind, das VALIE EXPORT Center, ein führendes Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst, aufzubauen“, sagt Hemma Schmutz, Direktorin des Kunstmuseums Lentos zur „Krone“.  Gemeinsam mit der Linzer Kunstuni betreibt das Museum das Center, das in der Tabakfabrik untergebracht ist.

Zitat Icon

Ich habe EXPORT für ihren Mut und ihre Radikalität bewundert. Sie hat sich immer für Frauen eingesetzt – nicht nur für Künstlerinnen, sondern für alle Frauen.“

Hemma Schmutz, Kunstmuseum Lentos

Hemma Schmutz, Direktorin des Linzer Lentos
Hemma Schmutz, Direktorin des Linzer Lentos(Bild: Horst Einöder/Flashpictures)
VALIE EXPORT – „AugenWürfel“ im Donaupark beim Lentos
VALIE EXPORT – „AugenWürfel“ im Donaupark beim Lentos(Bild: Violetta Wakolbinger)

Die einzige Künstlerin im Linzer Forum Metall
Im Lentos ist sie seit 2022 durch die Installation „AugenWürfel“ ständig präsent: „Die Installation ist extra für uns entstanden und fügt sich gut in das Forum Metall im Donaupark ein. Ein Spätwerk, das allgemeine menschliche Fragen wie Schicksal, Zufall und das Ins-Leben-Geworfen-Sein thematisiert.“ Da das Lentos auch über die gesamten Negative des frühen Werks „Körperkonfigurationen“ verfügt, wird es 2028 dazu eine große Ausstellung geben.

Brigitte Hütter, Rektorin der Linzer Kunstuni
Brigitte Hütter, Rektorin der Linzer Kunstuni(Bild: Mark Sengstbratl Architekturfoto)

Rolle der Künstlerin neu definiert
Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität, betont, dass EXPORT wesentlich zur Anerkennung von Künstlerinnen beigetragen hat: „Mit ihrem Wirken hat sie Generationen von Kunstschaffenden beeinflusst. Mit ihren Arbeiten und den daran geknüpften Diskursen hat sie ganz wesentlich dazu beigetragen, Österreich ein Stück weltoffener zu machen.“

Im „Krone“-Interview vor einem Jahr
Vor einem Jahr gab VALIE EXPORT der „Krone“ Oberösterreich noch ein Interview, Schauplatz war das oben genannte Studio in Wien. Sie war gerade zum vierten Mal zur einflussreichsten Künstlerin Österreichs gewählt worden und betonte, dass sie niemals stillhalten wolle – im Gegenteil.

In einer Ära, in der konservative und autoritäre Kräfte an Macht gewinnen, rief sie im Gespräch mit der „Krone“ nicht nur Frauen, sondern alle Menschen zum (positiven) Kampf auf: „Wir brauchen dringend neue Utopien!“, so EXPORT.

Kunst hört nie auf – Aus dem Interview
„Krone“:
 Womit haben Sie im Alter aufgehört, was werden Sie nie aufgeben? VALIE EXPORT: „Ich denke nicht an mein Lebensalter. Aufgehört habe ich mit nichts – außer dass ich jetzt nicht mehr über Zäune springe. Ich arbeite noch jeden Tag so, wie man als Künstlerin arbeitet: Man denkt Tag und Nacht an seine Arbeit, denn sie ist auch meine Lebensgestaltung.“

Sie hätte am 17. Mai 2026 ihren 86. Geburtstag gefeiert, starb aber drei Tage vorher.

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