Linz ist und bleibt eine Stadt der Widersprüche. Sie war einst NS-Musterstadt, wurde als Industriemetropole im Zweiten Weltkrieg heftig bombardiert, in der Nachkriegszeit war sie Zufluchtsort, aber auch Versteck für Nazis und Meister im Wiederaufbau. Das Nordico Stadtmuseum hat vieles über die Nachkriegszeit zusammengetragen.
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs öffnet das Nordico Stadtmuseum Linz seine Tore für eine Ausstellung, die unter die Haut geht: „Sehnsucht Frieden“.
Was bleibt, wenn Bomben verstummen, Diktaturen fallen und Städte in Trümmern liegen? Die Schau wirft einen schonungslosen Blick auf Linz – einst NS-Musterstadt, dann Schauplatz des Wiederaufbaus, heute Friedensstadt.
Wiesenthal war in Linz
Man reißt auch eine Fassade ein: So wurde erstmals beispielhaft die Linzer Zeit von Simon Wiesenthal (1908-2005) aufgearbeitet. Was kaum jemand weiß: Der österreichische Architekt und Holocaust-Überlebende, der international als NS-Verbrecherjäger bekannt wurde, hielt sich 16 Jahre in Linz auf und spielte auch hier schon eine wichtige Rolle in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Entnazifizierung.
Bomben und Baracken
Und es sind eindrucksvolle und teils verstörende Exponate zu sehen, die beleuchten, welche Spur der Zerstörung die Bomben in Linz hinterlassen haben. Historische Fotografien bezeugen Schäden in Stadtteilen, Barackenlager, erste Wiederaufbauarbeiten. Es geht aber auch um neue Hoffnung durch Wohnungsbau, Wiederaufbau der Industrie und auch Lebensmittelhilfe. Weiters kann man Tonaufnahmen oder zeitgeschichtliche Karten abrufen.
Der Bogen zum Heute
Die Schau thematisiert umfassend die Besatzungszeit in Linz nach 1945, in der die Stadt unter amerikanischer und sowjetischer Kontrolle stand. Sie nutzt aber vor allem auch Wiesenthals Geschichte dazu, um die Frage zu stellen: An welche Namen erinnert man sich und an welche nicht? Und was bedeutet das für unsere Demokratie heute?
Weiters werden Diskussionsformate wie „Wir öffnen die Box“ zu Themen wie Antisemitismus, Nationalismus und Erinnerungskultur angeboten. Die Ausstellung läuft bis 8. März 2026 und ist eine Kooperation mit dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.