Guten Morgen

Clowns auf hohen Bergen | Clowns im Hohen Haus

Sie ist wieder da, die Hochzeit der Flipflop-Bergsteiger. Der Am-Berg-Festsitzer. Im schlimmsten, und leider nicht seltenen, Fall, der Bergabstürzer. Ein ganz besonderes Exemplar, ein 19-jähriger Deutscher in leichtem Jäckchen und kurzer Hose, verdankt es am Donnerstag den Tiroler Bergrettern, dass er in warme Decken gehüllt den Weg von 3000 Metern hinunter ins Tal antreten durfte. Und nicht in einem kalten Leichensack. Ein Bundesland weiter, in Salzburg, hatte ein 27-jähriger Belgier weniger Glück: Er rutschte im Schnee aus, stürzte in den Tod. Zu Hause würden sie diesen Schühchen niemals Gatsch und Eis zumuten, aber hier, hier am Berg, hier, wo sie noch nie waren und wo sie schon der Aufstieg bisher außer Atem brachte, hier kämpfen sie sich unbeirrt weiter, bis sie weder vor noch zurückkönnen. Kann das noch mit Unwissen, mit Dummheit entschuldigt und erklärt werden? Nein. Wer hier weitergeht, tut das bewusst. Tut das aus Jux, aus maßloser Selbstüberschätzung. Als Showeinlage für den Insta-Applaus. Eine lebensgefährliche Clownerie für die Selbstdarsteller, vor allem aber für ihre Retter. 

Clowns und Selbstdarsteller auch in Wien, wo sie im Parlament die letzten Vorstellungen vor der langen Sommerpause bespielen. Und was für eine Show sie alle liefern: Da stimmen die Pinken gegen ihre eigene Partei, haut der Blaue auf den Schwarzen, die Grüne auf den Roten. Manege frei für den Politzirkus, bei dem Optik und Lautstärke stets mehr zählen als der Inhalt. Heute noch, dann ist's vorbei, dann geht die Sommerpause abseits der großen Medientermine los. Zwei Monate Zeit, um ohne Foto- und Fernsehkameras in konstruktiven Runden ohne viel medialen Aufhebens zu verhandeln. Darüber, wie man die Krankenkassen – die Millionen fordern – saniert. Darüber, wie man Patienten zeitnah OP- und Untersuchungstermine garantiert. Wie man Kinder, die gemobbt, vereinsamt oder lernschwach sind, pädagogisch mitnimmt und psychologisch aufbaut. Wie man Müttern hilft, am Arbeitsmarkt zu reüssieren. Wie man als Österreich zum Klimaschutz beiträgt. Wie man rauskommt aus dem EU-Defizitverfahren, den Schuldenberg abträgt, die Wirtschaftsleistung steigert. Probleme, die dringend gelöst werden müssen, gibt es zur Genüge. Die Zeit und die Ruhe über den Sommer ebenfalls. 

Kommen Sie gut durch den Freitag!

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