Mobbing, Männlichkeit & Mord: Das Drama „Adolescence“ ist der Netflix-Hit des Frühlings. In 71 Ländern steht die britische Serie auf Platz 1 der Charts. Wie realistisch sie ist, wie das Internet Frauenhasser heranzüchtet und ob die Hauptfigur ein Psychopath ist, analysiert ein Psychologe für Krone+.
Innerhalb weniger Tage hat die Netflix-Produktion weltweit bereits 24,3 Millionen Abrufe registriert. Beklemmend und in komplett ohne Schnitte auskommenden Episoden, seziert der Vierteiler, wie ein 13-Jähriger in den Strudel frauenhassenden Extremismus gerät und zum Mörder avanciert.
Im Zentrum des sprachlos machenden Dramas steht der 13-jährige Jamie Miller (Owen Cooper), schmächtig und still. Er wird beschuldigt, seine Mitschülerin Katie erstochen zu haben. Als die Polizei im Morgengrauen sein Kinderzimmer stürmt, stehen die Eltern fassungslos daneben. Der britische Schauspieler Stephen Graham spielt den Vater, gemeinsam mit Jack Thorne hat er „Adolescence“ erdacht und auch das Drehbuch geschrieben.
Im Zuge der Ermittlungen wird klar: Jamie hat sich in der sogenannten „Manosphere“ im Internet radikalisiert. In diesem Mikrokosmos predigen Männlichkeitsinfluencer wie Andrew Tate frauenverachtenden und antifeministischen Schwachsinn. Als ihn seine Klassenkollegin zurückweist und später in den sozialen Medien als „Incel“ verspottet, also als unfreiwillig im Zölibat lebenden Mann, zuckt Jamie völlig aus … Wie realistisch solche Taten sind, hat Krone+ mit Thomas Stompe, Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien, besprochen.
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