Die US-Fachzeitschrift „Science“ hat die Entwicklung des Medikaments Lenacapavir zum „Durchbruch des heurigen Jahres“ gekürt. Das Mittel verhindert eine Ansteckung mit HIV. Damit werde der nächste, aber keineswegs letzte Schritt im Kampf gegen Aids gewürdigt, heißt es zur Begründung.
Eine halbjährliche Spritze mit dem Medikament Lenacapavir schützt effektiv vor einer Infektion mit dem Virus, wie Studiendaten zeigten. Bisher verwendete Mittel zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wie Truvada müssen täglich als Tablette genommen werden.
Sechsmonatige Wirkungsdauer
Die Entwicklung des Medikaments stelle einen ähnlichen Fortschritt in der HIV-Prävention dar wie frühere Durchbrüche mit antiretroviralen Medikamenten, erklärte „Science“-Chefredakteur Holden Thorp. „Die sechsmonatige Wirkungsdauer von Lenacapavir macht einen großen Unterschied und bietet eine neue und bessere Möglichkeit, die Prophylaxe mehr Menschen auf der ganzen Welt zugänglich zu machen“, so Thorp weiter.
Der Hersteller Gilead will die Zulassung als HIV-Schutz in zahlreichen Ländern beantragen. Gezielt werde an einer Versorgung auch in ärmeren Ländern gearbeitet. Das Mittel soll prophylaktisch Menschen mit hohem HIV-Infektionsrisiko angeboten werden.
Neben dem „Durchbruch des Jahres“ hat „Science“ auch zahlreiche andere Highlights aus der Welt der Wissenschaft gewürdigt. Heuer waren darunter unter anderem neue Ansätze, sogenannte „Chimeric Antigen Receptor“-Zellen (kurz „CAR-T-Zellen“) nicht nur gegen Krebs, sondern jetzt auch gegen Autoimmun-Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Lupus. Ebenso erwähnt wurden Entdeckungen neuer Galaxien mit dem „James Webb Space Telescope“ (JWST) – dem „Durchbruch“ des Jahres 2022 -, neuartige Pestizide auf RNA-Basis, die Entdeckung, dass eine Meeresalge mit einer Art Mini-Organ in ihren Zellen Stickstoff aus ihrer Umgebung gewinnen kann, neue Erkenntnisse dazu, wann und wie sich mehrzellige Organismen gebildet haben, eine Erweiterung des Gedankengebäudes rund um die Plattentektonik oder die Fortschritte der US-Weltraumfirma SpaceX mit ihrer Großrakete „Starship“.
Nachweis einer neuen Form von Magnetismus
Der Nachweis einer neuen Form des Magnetismus oder die Fortschritte beim Entschlüsseln alter DNA tragen auch die Handschrift österreichischer Forscher. So wurden an der Universität Linz Proben des „Altermagnetismus“-Kandidaten Mangantellurid unter speziellen Bedingungen hergestellt und in die Schweiz untersucht. Dort konnte mittels Photoemissionsspektroskopie gezeigt werden, dass es sich um einen „Altermagneten“ handelt, wie die Forscher im Februar im Fachmagazin „Nature“ berichteten. Man habe „erstmalig die Existenz einer völlig neuartigen Klasse von magnetischen Materialien experimentell nachweisen“ können, erklärte damals der an der Arbeit beteiligte Linzer Physiker Gunther Springholz.
Verwandtschaftsverhältnisse aus alter DNA
Die am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig tätigen österreichischen Wissenschaftler Harald Ringbauer und David Reich waren wiederum an einem Projekt beteiligt, in dessen Rahmen aus alter DNA auch exakt Verwandtschaftsverhältnisse, die vor Jahrtausenden bestanden haben, aufgeklärt werden konnten.
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