Mäuse reden mehr, als wir glauben! Was wäre, wenn wir eines Tages verstehen könnten, was Tiere einander erzählen? Genau daran arbeiten Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Mithilfe künstlicher Intelligenz wollen sie erstmals die geheime Sprache von Mäusen entschlüsseln – und kommen diesem Ziel immer näher.
Für unsere Ohren sind Mäuse meist nur leise „Quietscher“. Tatsächlich führen sie aber regelrechte "Gespräche" im Ultraschallbereich. Dort tauschen sie Informationen aus, erkennen Artgenossen, werben um Partner oder warnen vor Gefahren.
Das Problem: Diese Laute sind für Menschen nicht hörbar und so komplex, dass sie bisher kaum ausgewertet werden konnten. Jetzt übernimmt künstliche Intelligenz diese Mammutaufgabe. Sie analysiert Tausende Aufnahmen, erkennt wiederkehrende Muster und hilft den Forschern dabei, die Bedeutung einzelner Lautfolgen zu entschlüsseln.
Einen wichtigen Schritt in diese Richtung liefert eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Publikation des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Gemeinsam mit Forschenden des Instituts für Schallforschung (ISF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geben sie darin einen umfassenden Überblick über die neuesten bioakustischen Methoden und Verfahren des maschinellen Lernens, mit denen die akustische Kommunikation von Nagern untersucht werden kann.
Mehr als nur ein spannendes Experiment
Noch kann die KI keine Sätze wie „Ich habe Hunger“ oder „Hier lauert eine Katze“ übersetzen. Doch sie entdeckt Zusammenhänge, die Menschen bisher verborgen geblieben sind. Die Forschung ist weit mehr als technische Spielerei. Wer Tiere besser versteht, kann ihr Verhalten genauer einschätzen und ihre Bedürfnisse besser erkennen.
„Lange Zeit war die Forschung zur Tierkommunikation durch den Aufwand bei der Aufbereitung und Analyse von Audiodaten begrenzt. Heute ermöglichen neue KI-gestützte Methoden wesentlich effizientere und präzisere Analysen“, erklärt Letztautorin Sarah M. Zala vom Konrad-Lorenz-Institut.
Reden wir bald mit unseren Haustieren?
Das könnte künftig sowohl den Tierschutz als auch die Haltung von Haus- und Wildtieren verbessern. Auch in der medizinischen Forschung könnte das neue Wissen helfen, denn Mäuse spielen dort seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle.
Ob Hund, Katze oder Maus – weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, Tierkommunikation mithilfe künstlicher Intelligenz zu entschlüsseln. Bis wir unserem Haustier tatsächlich Fragen stellen können, wird es wohl noch dauern. Doch die Forschung zeigt bereits heute: Tiere haben deutlich mehr zu sagen, als wir bislang geahnt haben.
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