„Gehört verbannt“

„Gender-Wahnsinn“ in Schulbuch empört die FPÖ

Burgenland
05.12.2024 05:58

Ein im Unterricht verwendeter Text aus einem Buch sorgt im Burgenland für Wirbel. Die Freiheitlichen üben scharfe Kritik und fordern: „Das gehört aus den Schulen verbannt!“

Auftritte von Dragqueens in Wiener Schulen haben in der Vergangenheit wiederholt für Diskussionen und Empörung seitens der FPÖ gesorgt. Nun bringt ein Schulbuch, das auch in burgenländischen Bildungseinrichtungen verwendet wird, das „blaue Blut“ zum Kochen.

Aus Leo wird Jennifer
„Deutschstunde 1“ enthält eine Geschichte, welche die Schüler zum Lösen einer Aufgabe lesen müssen. In dem Text geht es darum, dass ein Bub namens Leo eines Tages beschließt, ein Mädchen namens Jennifer zu sein und sich daraufhin bei der Mutter darüber beschwert, dass im Schrank keine Kleider oder rosafarbenen Kleidungsstücke sind (siehe Faksimile). Die Schüler – erste Klasse Mittelschule – haben bei der Übung unter anderem die Aufgabe, Wörter mit ähnlicher Bedeutung zu finden. Ursprünglich ist der Text bereits 2020 in einem Kinderbuch erschienen.

Diese Textpassage sorgt für Empörung bei den Freiheitlichen.
Diese Textpassage sorgt für Empörung bei den Freiheitlichen.(Bild: zVg)

„Verstörende Inhalte“
Für die Freiheitlichen ist der Text ein Angriff auf traditionelle Werte, sie sprechen von „Gender-Wahnsinn“. „Das ist keine Bildung – das ist eine perfide Agenda, die unsere Kinder von ihren Wurzeln und ihrer Familie entfremden will“, empört sich Landesparteisekretär Daniel Jägerbauer. Die Schüler würden dadurch mit „verwirrenden und verstörenden Inhalten konfrontiert, die ihre Identität und ihr Weltbild ins Wanken bringen“. Der Freiheitliche berichtet von traumatisierten Kindern und schockierten Eltern. Er sieht die SPÖ-Bildungslandesrätin Daniela Winkler gefordert: „Solche Inhalte gehören aus den Schulen verbannt.“

Buch vom Ministerium freigegeben
Beim Büro Winkler verweist man auf die Bildungsdirektion. Dort heißt es, dass „Deutschstunde 1“ vom Veritas-Verlag stammt und die Bücher von einem erfahrenen Team von Autoren und Pädagogen verfasst wurden. Die Bücher würden auf der approbierten Schulbuchliste stehen und seien somit vom Bildungsministerium für die Schulen freigegeben.

In ganz Österreich im Einsatz
„Deutschstunde 1“ sei bundesweit im Einsatz. „Aufgabe der Schule ist es unter anderem, alle gesellschaftlichen Entwicklungen und deren Herausforderungen zu diskutieren und zu moderieren und das macht die Schule hiermit“, erklärt man bei der Bildungsdirektion. Sollte tatsächlich Aufregung unter den Erziehungsberechtigten herrschen, werde man diese Kritik gerne aufnehmen.

Verlag wehrt sich gegen Kritik
Auch beim Veritas-Verlag kann man die freiheitliche Empörung nicht nachvollziehen. Das Kinderbuch, aus dem der vorliegende Text stammt, sei unter anderem mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2021 ausgezeichnet worden. Ziel sei es, den Schülern in einer altersgerechten, literarischen Form verschiedene Perspektiven und Lebensrealitäten zu eröffnen. Den Vorwurf, dass eine „perfide Agenda“ verfolgt werde, weist der Verlag entschieden zurück: „Unsere Aufgabe als Bildungsmedienverlag besteht darin, Schülern eine breite, kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit Sprache und Gesellschaft zu ermöglichen.“ 

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