50 GB gratis für alle

Kim Dotcom ärgert Content-Industrie mit neuer Website

Web
21.01.2013 11:12
Es ist ein Schlag ins Gesicht der Content-Industrie: Exakt ein Jahr nach der Schließung des Filehosters MegaUpload durch das FBI hat Kim Dotcom am Samstag eine Neuauflage seines Dienstes gestartet. Die hört auf den schlichten Namen "Mega" und stellt jedem Nutzer stattliche 50 Gigabyte Gratis-Speicherplatz zur Verfügung. Außerdem arbeite man daran, MegaUpload-Nutzern wieder Zugriff auf ihre beschlagnahmten Daten zu geben, teilte Dotcom via Twitter mit.

Mit 50 Gigabyte Gratis-Speicherplatz in der Cloud will Dotcom Nutzer zu seinem neuen Dienst Mega locken. Das ist eine stattliche Menge Speicherplatz. Zum Vergleich: Dropbox bietet nur zwei, Google Drive fünf und Microsofts SkyDrive sieben Gigabyte Gratis-Speicher in der Cloud an. Für Office-Dokumente sind 50 Gigabyte bereits sehr hoch bemessen, man könnte Dotcoms Ankündigung also durchaus als Aufforderung verstehen, auch Fotos, Musik oder Videos via Mega zu sichern.

Dotcom will MegaUpload-Nutzer für sich gewinnen
Über Twitter kündigte Dotcom auch an, MegaUpload-Nutzern Zugriff auf ihre im Zuge der Durchsuchung seiner Villa vor einem Jahr beschlagnahmten Dateien gewähren zu wollen. Allerdings müsse man daran wegen juristischer Hürden noch arbeiten. 

Um die Dateien der MegaUpload-Gemeinde zurück zu bekommen, unterstützt Dotcom die Internet-Aktivisten der Electronic Frontier Foundation (EFF). Die Organisation strebt ein Gerichtsverfahren an, das die Herausgabe der beschlagnahmten Daten – darunter auch private Fotos und Dokumente der Benutzer – erwirken soll.

Wer für die Nutzung von MegaUpload bezahlt hat, also einen Premium-Zugang besaß, der soll auch bei Dotcoms neuem Dienst Mega einen solchen bekommen. Allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt, wie Dotcom via Twitter mitteilte. Der Grund seien auch hier juristische Hürden, die noch zu nehmen seien. Die Anwälte des Internet-Millionärs arbeiteten aber bereits daran, so Dotcom.

Mega seit Samstag online
Mega ist seit Samstag online. Bereits im Vorfeld hatte Dotcom zahlreiche Informationen über seinen neuen Filehosting-Dienst veröffentlicht. So werde der neue Dienst jede hochgeladene Datei verschlüsseln und dem Uploader ein Passwort für sein File übermitteln. Um die Datei zu teilen, muss dann sowohl der Link zur Datei selbst als auch das Passwort für ihre Entschlüsselung weitergegeben werden.

Das habe zur Folge, dass nicht einmal die Mega-Betreiber selbst wissen könnten, was sich hinter den verschlüsselten Daten in ihren Serverfarmen verbirgt. Ein geschickter Schachzug: Auf diese Art soll es juristisch unmöglich werden, gegen Mega vorzugehen, hofft Dotcom.

Server von Mega auf der ganzen Welt verteilt
Um auch gegen die Abschaltung der Server geschützt zu sein, setzt Dotcom bei Mega auf die redundante Speicherung der Daten. Das heißt, dass der schillernde Internet-Unternehmer Serverfarmen an verschiedenen Standorten unterhalten wird. 

Dabei werden die Daten, welche via Mega gesichert werden, doppelt und dreifach in verschiedenen Ländern abgespeichert. Geht ein Rechenzentrum offline, sind die Dateien also immer noch über ein anderes zugänglich. Um den Dienst zur Gänze abzuschalten, müssten alle Mega-Serverfarmen weltweit vom Netz genommen werden. Ein schwieriges Unterfangen.

Zusammenarbeit mit der Content-Industrie geplant
Um von vorn herein auszuschließen, selber für die Dateitransfers via Mega verantwortlich gemacht zu werden, wollen Dotcom und sein Team mit der Content-Industrie kooperieren. Wie schon bei MegaUpload soll es für die Industrie die Möglichkeit geben, Dateien von Mega-Servern mittels Web-Formular selbst zu löschen, etwa wenn ein User einen Film hochlädt und den Link mitsamt Schlüssel öffentlich macht.

"Aber dieses Mal müssen sie akzeptieren, dass wir nicht für die Taten unserer User verantwortlich gemacht werden können, bevor sie Zugang zu diesem Tool bekommen", sagte Dotcom bereits vor einigen Wochen in einem Twitter-Eintrag. Er will sicher gehen, dass sich die Ereignisse vom 20. Jänner 2012 nicht wiederholen, als sein Anwesen gestürmt wurde.

Razzia vor einem Jahr: 70 Beamte stürmten Anwesen
In enger Zusammenarbeit mit der US-Bundespolizei FBI schlugen die Behörden damals in der Nacht vor dem 38. Geburtstag Dotcoms zu - so konnten sie sicher sein, dass alle Mitbeschuldigten anwesend sein würden. Dotcom und drei Mitarbeiter wurden mit der Waffe im Anschlag verhaftet. 70 Beamte durchsuchten das ausgedehnte Anwesen und stellten Gegenstände und Geld im Wert von sechs Millionen neuseeländischer Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sicher. 

Darunter waren auch Computer, Gemälde und mehrere Luxusautos - ein Rolls-Royce, Baujahr 2008, ein Lamborghini aus dem Jahre 1989 und ein neuer Maserati, auf den Nummernschildern klare Signale wie "CEO" (Vorstandschef), "HACKER" oder "GUILTY" (schuldig).

MegaUpload: Einst unter den Top-20-Seiten des WWW
Die Razzia im Stil einer Kommandoaktion galt der Web-Plattform MegaUpload, die einmal auf Platz 14 der meistbesuchten Websites stand und über die zeitweise vier Prozent des gesamten weltweiten Internet-Datenverkehrs liefen.

MegaUpload stellte seinen Nutzern - nach eigenen Angaben waren das rund 50 Millionen am Tag - Server zur Verfügung, auf die alle möglichen Dateien kostenlos hochgeladen werden konnten. Das waren persönliche Fotoalben ebenso wie urheberrechtlich geschützte Musik oder Filme. Wurde etwa ein Film bei MegaUpload hochgeladen, erstellte der sogenannte Filehoster einen Link, der weiterverbreitet werden konnte.

Neuseelands Behörden haben sich mittlerweile entschuldigt
Die Behörden in Neuseeland stellten Dotcom zuerst als einen flüchtigen Kriminellen dar. Dann aber wurde bekannt, dass er entgegen der geltenden Rechtslage vom neuseeländischen Nachrichtendienst GCSB (Government Communications Security Bureau) ausgespäht wurde. Als leidenschaftlicher Computerspieler hatte Dotcom bemerkt, dass seine Hochgeschwindigkeitsverbindung ins Internet immer langsamer wurde, und fragte nach den Ursachen.

Dotcom hat es geschafft, dass die Bespitzelung vom Gericht ebenso für illegal erklärt wurde wie die Razzia vom 20. Jänner. Es räumte ihm auch die Möglichkeit ein, deswegen gegen den GCSB und die neuseeländische Polizei vorzugehen. So konnte Dotcom auch etliche Vermögenswerte zurückerlangen. Er verkaufte einige Autos, um seine Anwaltskosten zu begleichen und seine Frau und die fünf Kinder zu versorgen. Mittlerweile hat sich Neuseelands Premier John Key öffentlich bei Dotcom für die Vorgehensweise entschuldigt.

Mega: Ein Schlag ins Gesicht der Content-Industrie
Während der zähe juristische Feldzug zur Rückeroberung seines Vermögens und gegen eine Auslieferung an die USA lief, begannen auch bereits die Arbeiten an Dotcoms neuer Website Mega. Es ist zu erwarten, dass auch Mega wieder benutzt wird, um urheberrechtlich geschütztes Material zu tauschen - ein Schlag ins Gesicht der US-Behörden und der Content-Industrie, die seit Jahren vergeblich versuchen, Dotcom zur Verantwortung zu ziehen.

Allerdings läuft auch immer noch das Auslieferungsverfahren, das klären soll, ob Neuseeland Dotcom den USA übergeben muss. Die nächste Anhörung dazu findet im August statt. Dotcom selbst rechnet sich gute Chancen aus und konnte mit seinen Anwälten bereits eine Reihe von Etappensiegen verbuchen. Wie sich der Start von Mega auf das Verfahren auswirken wird, ist derzeit noch unklar.

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