Die Bundesregierung möchte nun einen Aspekt der NS-Zeit aufarbeiten, der oft nach wie meist unter der Wahrnehmungsgrenze liegt: die systematische Verfolgung und Ermordung der Roma und Sinti während des Holocausts. Künftig wird damit der 2. August zum nationalen Gedenktag erklärt.
Möglich wird dieser durch einen Ministerratsbeschluss. Die Regierung will damit laut einer Aussendung am Freitag die Erinnerungsarbeit vorantreiben. In der Nacht von 2. auf 3. August 1944 ermordete das Nazi-Regime über 3000 Roma und Sinti im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, weshalb der 2. August in Europa seit 2015 als Gedenktag für 500.000 Holocaust-Opfer dieser Volksgruppe gilt.
Kogler: „Opfer nicht nur vergessen, sondern weiterhin ignoriert“
„Auch nach der Befreiung vom Nazi-Regime wurde diese Opfergruppe nicht nur vergessen, sondern weiterhin ignoriert, diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Damit muss Schluss sein“, erklärte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) in einer Aussendung. Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) sah darin einen wichtigen Schritt für die Aufarbeitung der Vergangenheit sowie ein klares Signal für die Zukunft. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach von einem Auftrag, sich „allen Anfängen menschenverachtender Ideologien klar und konsequent entgegenzustellen“.
Wesentlicher Teil gesellschaftlicher Verantwortung
Auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) bezeichnete am Freitag in einer Aussendung das Gedenken an die Verfolgung und Ermordung hunderttausender Roma und Sinti als wesentlichen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung. Das Parlament sei sich seiner historischen Verantwortung bewusst und setze Maßnahmen wie das Errichten einer Gedenkstätte und den Erhalt von Gräbern für Überlebende aus Mitteln des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus. Laut Sobotka gibt es auch Veranstaltungen im Parlament, die die Anliegen der Volksgruppen thematisieren.
Die SPÖ unterstrich in einer Aussendung ebenfalls die Wichtigkeit der Bekämpfung von Diskriminierung auf allen Ebenen. Die außenpolitische Sprecherin Petra Bayr erwähnte europäische Programme und Projekte positiv. Laut Bayr wurde etwa die Geschichte der Roma und Sinti in die Lehrpläne der Mitgliedstaaten aufgenommen.
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