Funk-Fiasko

Deutsche Bahn: Darum kam es zum Totalausfall

Ausland
24.06.2026 11:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

In Deutschland standen am Dienstagabend alle Züge still, erst nach Mitternacht konnte die Störung behoben werden, ehe am Mittwochmorgen der Betrieb wieder völlig reibungslos lief. Inzwischen ist auch die Ursache, die für das Fiasko verantwortlich ist, bekannt: die völlig veraltete Funk-Technik der Deutschen Bahn!

Mittwochfrüh kam es nur noch vereinzelt zu Folgeverspätungen. Auswirkungen hatte der Totalausfall auch auf Österreich, denn insgesamt acht Nachtzüge von oder nach Österreich wurden für zwei Stunden gestoppt und hatten dadurch entsprechende Verspätungen. Ebenso war der Güterverkehr betroffen, so ein ÖBB-Sprecher.

Störung relativ rasch behoben
Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die Deutsche Bahn (DB) noch in der Nacht identifiziert. IT-Experten der Bahn hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. „Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden“, hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.

GSM-R, eine Technik aus den 90er-Jahren
GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“. „Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, heißt von der DB. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleitern.

Das klingt nach Ausrede, denn wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll ein Komponentenwechsel im Funksystem den Totalausfall verursacht haben. Der Zugfunk GSM-R basiert auf der uralten 2G-Technik. Sie wurde in den 1990er-Jahren zum Beispiel in den ersten Handys eingesetzt, möglich ist damit nur das Telefonieren und das Versenden von SMS. Damit regelt die DB bis heute ihre Kommunikation zwischen Stellwerken und Lokführern.

DB muss Ersatzteile zukaufen und horten
Im aktuellen Fall ist offenbar ein Bauteil ausgefallen und musste ersetzt werden, weshalb es zum Stillstand kam. Um derartige Probleme beheben zu können, hortet die Deutsche Bahn diverse Bauteile und kauft weltweit verfügbare Bestände auf.

Bahn-Pannen gehören in Deutschland zum Alltag
In Deutschlands Bahnverkehr gehören Pannen zum Alltag. Kaum ein Zug ist pünktlich, Verspätungen werden sogar offiziell eingeplant. Außerdem fallen zahlreiche Züge komplett aus und scheinen so in der Verspätungsstatistik erst gar nicht auf. Die „Bild“ nennt in ihrem Bericht die Deutschen Bahn daher „eine Bruchbude auf Schienen“.

Am Mittwoch hat sich auch Verkehrsminister Patrick Schnieder zu Wort gemeldet und fordert umfassende Aufklärung. Sollte es sich um Probleme mit Hardware-Komponenten oder um ein Update-Problem eines Servers handeln, müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole, sagte der CDU-Politiker.

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